Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Neue Führung

Dienstag, 9. Juli 2013

Seit Ende Mai 2013 steht meine Hospitalistengruppe unter neuer Führung. Die Gründer der Gruppe haben die Hospitalistengruppe, bestehend aus zwölf Ärzten und zwei Arztassistenten, die fünf Krankenhäuser und einige Rehaeinrichtungen betreuen, an eine US-weit agierende Arztgruppe verkauft – dadurch hat unsere im Örtlichen verwurzelte Gruppe nun eine Chefebene erhalten, die weit von uns entfernt im Westen der USA ihren Hauptsitz hat.

In den drei Wochen seit Verkauf haben sich die Dinge deutlich verändert. Die gröβte Veränderung ist eine noch stärkere Orientierung auf das Betriebswirtschaftliche: Wir erhalten regelmäβig Post und Anrufe, wir sollten noch mehr Patienten behandeln. Denn das bedeutet mehr Geld für die Firma. Weiterhin erhalten wir und damit auch ich mittlerweile täglich eine Statistik über das Volumen meiner Patientenkontakte – und das im Verhältnis zu den anderen Ärzten meiner Gruppe dargestellt; das Ziel ist klar, der Konkurrenzgedanke soll mich anspornen, ein noch höheren Patientenvolumen zu erarbeiten.

Weiterhin werden sämtliche von mir entlassenen Patienten angerufen, und ich erhalte Rückmeldung wie gut (oder schlecht) sie meine ärztliche Behandlung einschätzen. Auch hier ist das Ziel klar – patientenzentrierte Medizin – wobei auch das betriebswirtschaftliche Gründe hat. Grob gesprochen führt eine höhere Qualität unter der Obamamedizinreform zu besserer Vergütung.

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Positive Veränderungen sind ebenfalls eingetreten: Eine bessere Kranken-, Lebens- und Haftpflicht­versicherung, neben einem 26 US-Bundesstaaten umfassenden Krankenhaussystem, das viele Fortbidlungs- und Arbeitsmöglichkeiten anbietet. Weiterhin gibt es klare Urlaubsrichtlinien, wie
auch etwas klarere Arbeitszeiten, die in kleinen Gruppen manchmal nicht so klar gezeichnet werden wie in groβen.

Dennoch scheint sich die Situation insgesamt in unserer Arztgruppe verschlechtert zu haben: Deshalb sind auch drei der Ärzte gleich gegangen, natürlich zwei von anderen Ärzten ersetzt worden und die dritte Stelle wird mit einem Arztassistenten besetzt. Der betriebswirtschaftliche Druck macht uns natürlich allen zu schaffen. Ein gutes Gehalt ist zwar gerne gesehen, aber nicht um jeden Preis. Wenn bei jedem Patientenkontakt gleich an Qualitätsindikatoren, Bonuszahlungen und hohes Patientenvolumen gedacht werden muss, dann vergeht meinen Kollegen und mir der Spaβ an der Arbeit.

Anderthalb bis zwei Jahre wollte ich bei dieser Facharztgruppe in Florida bleiben – gut, dass Ende dieses Jahres die 1,5-Jahresfrist erreicht ist: Ein Wechsel in anderthalb bis einem Jahr wird langsam immer wahrscheinlicher, und das habe ich offen schon mit dem ärztlichen Leiter besprochen.

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