Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Hospitalist in Florida

Montag, 22. Juli 2013

Wir sind zehn Internisten in unserer Facharztgruppe und decken fünf Krankenhäuser im Rotations­prinzip an der Westküste Floridas ab. Das Rotationsprinzip ist denkbar einfach: Eine Woche lang bin ich für den Tagdienst in einem bestimmten Krankenhaus eingeteilt, die folgende Woche im nächsten
Krankenhaus und so weiter. Dabei rotieren wir um die Unterschiede in der Arbeitsdichte zwischen den Krankenhäusern unter uns zu verteilen. Der Tagdienst beinhaltet die Morgenvisite auf der Intensivstation, anschließend auf Regulärmedizin- und Chirurgiestation, sowie Direktaufnahmen von Hausärzten und über die Notaufnahme. Dabei ist unsere Arbeitszeit offiziell von 7 bis 16 Uhr – wobei im
Sommer sie realistischerweise von 6 bis 16:30 Uhr liegt, im Winter voni 5 bis 18 oder 19 Uhr. Es gibt keine Arbeitszeitbegrenzungen für uns Internisten.

Wir rotieren zwischen den Krankenhäusern durchschnittlich alle sieben bis zehn Tage und unsere Arbeit verrichten wir ununterbrochen in diesem Zeitraum, also sowohl an Wochentagen wie auch -enden. An diesen Zeitraum schlieβt sich oft eine drei- bis fünftägiger Freizeitspanne an und danach ist man im nächsten Krankenhaus eingeteilt – so habe ich zum Beispiel vom Dienstag bis zum Mittwoch die folgenden Woche im ersten Krankenhaus gearbeitet, danach vier Tage frei gehabt, um dann im nächsten Krankenhaus acht Tage zu arbeiten. Zwei Monate lang haben wir ein eine Woche arbeiten, eine Woche freihaben ausprobiert, das System aber mangels ausreichendem Personal und zu hoher Kosten verworfen.

In manchen Krankenhäusern brauchen wir zwei Ärzte, weil das Volumen so hoch ist und einer von uns immer für eine Woche in den Nachtdienst eingeteilt ist; dieser geht von 16 bis 5 Uhr. Man ist also für alle Aufnahmen, Notfälle und Fragen von drei der Krankenhäuser zuständig. Zwei der anderen Krankenhäuser liegen derart entlegen und sind derart klein (knapp 150 Belegbetten), dass der dort tagsüber arbeitende Arzt auch nachts Dienst hat und somit 168 Stunden am Stück tätig ist. Diese beiden Krankenhäuser und der Nachtdienst sind die unbeliebtesten Schichten.

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So kommen wir auf unsere Arbeitszeit von 20 Arbeitstage pro Monat, wobei uns vertraglich 15 Urlaubs- und fünf Krankheitstage zustehen. Meistens werden diese aber nicht genutzt, weil die Personaldecke zwar nicht exzessiv dünn, aber eben grenzwertig ist.

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