Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

"Amerikas beste Ärzte!"

Montag, 15. Juli 2013

Als ich jüngst die Post durchging, fiel mein Blick sofort auf ein ausgesprochen hübsches Kuvert. Ich machte es zügig auf und fand zu meiner Verwunderung eine Glückwunschkarte und einen kleinen Katalog darin vor, beides betitelt mit „Amerikas beste Ärzte 2013“. Ich vermutete eine Preisverleihung an mich, fühlte mich gebauchpinselt und wunderte mich, wer mir solch einen Preis zugeschickt hatte, und ob ich ihn überhaupt verdient habe.

Ich legte die Karte nach kurzem Studium zur Seite und blätterte den – wie sich nun herausstellte –sechsseitigen Katalog durch: Auf der ersten Seite bot man mir eine Metallplakette an, umrahmt von stilvoll wirkendem Holz – auf ihr stand ein Arztname unter dem prominenten Titel „Amerikas Beste Ärzte 2013”. So sollte also mein Preis aussehen!

Auf der nächsten Seite sah ich als Alternative eine formell und feierlich wirkende Urkunde, bei der unter der Aufschrift „Konsumentengremium der USA“ folgende Worte in groβen Buchstaben zu lesen waren: „Dieses bescheinigt, dass Dr. … alle Bedingungen erfüllt hat und hiermit zu Amerikas besten Ärzte ernannt wurde”. Auf den nächsten Seiten dann eine Trophäe, hiernach ein beschrifteter Granitstein und weitere Ehrungssymbole folgten, allesamt mit ähnlichen Inschriften und feierlichem Charakter.

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Auf der letzten Seite dann eine Preisliste – es handelte sich um eine Werbebroschüre! Für Kosten von 99 bis 530 US-Dollar pro Artikel kann ich also diese Objekte erwerben. Ich las nun genau die Karte und beiliegende Informationsbroschüre durch und kam zum Schluss, dass dieses wohl nichts weiter als Objekte zur Selbstbeweihräucherung waren, verkauft und hergestellt von einer privaten Firma. Diese konnte man dann in seiner Praxis und Krankenhausbüro aufstellen und auf manchen wirkt das dann authentisch – so als wäre der Arzt wirklich einer von “Amerikas beste Ärzte”.

Ich verweise auf die Internetseite für Interessierte: http://www.sldindustries.com/topphysicians

Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

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