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Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

Ende des Buches? Ende des Lesens?

Mittwoch, 17. Juli 2013

Sehr traurig. Wieder schließt ein Buchladen. Direkt bei mir um die Ecke. Und zwar nicht irgendeiner. Immerhin Berlins größte Filiale eines bundesweit aktiven Buchhändlers. Und bei ihm gibt es nicht nur medizinische Fachliteratur, sondern das volle Programm „vom Fachbuch bis zum Bestsellerroman“.

„Ach warum nur?“, seufze ich wehmütig und bedauere schon jetzt das zukünftige Fehlen dieses Ortes akademischer Gelehrsamkeit und weltvergessener Muße gleichermaßen. Wo soll ich künftig Kittel­taschenbücher für den harten Alltag im Krankenhaus erstehen? Meine letzte Rettung, wenn ich grad nicht weiter weiß und auch die Kollegen keine rechte Ahnung haben. Und wo ein paar dicke Romane zum Ausspannen für den Urlaub am Strand?

„Ganz einfach!“, ruft der Teufel in mir dem weinenden Engel zu. „Nimm dein Smartphone mit den ganzen tollen Apps und Google obendrein. ‚Kitteltaschenbuch’! Haha! Wann war das denn zuletzt?“, höhnt er böse. „Und am Strand? Da nimmst Du eben deinen eBook-Reader. Du liest doch eh schon alles damit. 222 Gramm und über 1.000 Bücher. Praktischer geht’s ja wohl nicht. Und wenn Dir jetzt die Buchläden fehlen – das hättest Du dir früher überlegen müssen.“

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Wahrscheinlich hat er Recht, der Teufel. Denn seit Jahren schon lese ich längst nicht mehr nur auf Papier. Weder beruflich noch privat. Und das wird sich vermutlich auch nie mehr ändern. Eher im Gegenteil. Der Mashup* aus Büchern, Apps, Ausdrucken und Suchergebnissen, aus Notizzetteln, PDFs, Zeitschriftenartikel und Handyfotos wird eher immer größer werden.

Und so werde ich ihn denn vor den Ferien noch einmal besuchen. Den Buchladen mit seinen freundlichen Angestellten. Und ich werde so tun, als wäre noch 1990. Damals, als Lesen und Papier noch eins waren. Und als Bill Gates’ Vision noch eine Vision war:

Information at your Fingertips

*engl.: Collage, Verknüpfung, Vermanschung

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