Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Teilzeitverhandlungen

Donnerstag, 1. August 2013

Es überrascht nicht, dass eine US-Firma wie meine Klinikgruppe mich nicht so einfach von einem Voll- zu einem Teilzeitvertrag umsatteln lässt. Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich nicht mehr so viel Gewinn erwirtschaften, klar. Daher erfolgte zunächst auf meine Teilzeitgesuch hin ein ungläubiges „Wir sind uns nicht sicher, ob wir Ihrer Bitte nachkommen können”. Erst die von mir angedeutete Alternative einer Kündigung schien ein Nachdenken auf der Arbeitgeberseite zu ermöglichen.

Dann folgten eBriefe seitens der Administrationsebene untereinander – ich wurde im cc-Modus als Empfänger mit unterrichtet und vermute dahinter psychologische Degradierungsabsichten – in denen von „Enttäuschung”, „negativer Überraschung”, „Ungläubigkeit” und allerlei anderen negativen Gefühlsregungen gegenüber meinem Teilzeitgesuch gesprochen wurde.

Die zwei Tage anhaltende Korrespondenz endete dann wieder plötzlich und nach einigen Telefonkonferenzen zwischen mir und allen möglichen Verhandlungsspezialisten seitens der Klinikfirma wurde mir ein Teilzeitvertrag zugeschickt. Er musste natürlich nachverhandelt werden und mündliche Absprachen fanden sich zunächst nicht in der besprochenen Form im Vertrag wieder.  

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Aber selbst nach diesen Nachbesserungen sind die Modalitäten, gelinde gesagt, schlecht. Bei der von mir geplanten Arbeitszeitreduktion auf 40% werden mir meine Urlaubs-, (bezahlten) Kranken- und Fortbildungstage vollständig gestrichen, also ein Wegfall von 30 Tagen pro Jahr, mein Gehalt wird auf 30% des gegenwärtigen Niveaus reduziert, Bonuszahlungen entfallen und die vom Arbeitgeber bisher bezahlte Kranken-, Zahn- und Optikerversicherung werden gekündigt, so dass ich ab Beginn meiner Teilzeit offiziell zu den 15% der US-Bevölkerung ohne Kran­ken­ver­siche­rung zählen werde.

Es überrascht mich, dass man mir solch ein schlechtes Angebot gemacht hat – ich gehöre immerhin laut interner Firmenrangliste, die während ich diese Zeilen tippe vor mir liegt, zu den effizientesten, produktivsten, beliebtesten und von den Patienten am meisten gemochten Ärzten. Man sehe mir übrigens bitte diese Unbescheidenheit nach.

Ich habe lange darüber gegrübelt, ob das Angebot gerade deswegen oder doch eher trotz dieser Leistungen und Statistiken so schlecht war. Wieso wird die Teilzeit mir so unattraktiv gemacht? Als Bestrafung? Weil man mich hinausekeln möchte? Doch wieso kündigt man mir nicht gleich? Oder geht es hier, wie so oft bei dieser neuen Klinikfirma, nur um Profitmaximierung, indem Kosten beim Personal gespart werden? Nichtsdestotrotz: Meine Meinung ist klar gefällt, und ich werde diesen Vertrag annehmen.

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Avatar #669340
Heure bleue
am Montag, 5. August 2013, 19:25

Vielen Dank

Ich hoffe, dass Sie weiterhin berichten von Ihrem Arbeitsalltag in den USA.
Dieser Blog gefällt mir sehr gut, ist gut geschrieben, sehr informativ und wirklich eine Bereicherung fuer das DÄ.

Gruss
Heure bleue
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