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Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

Die Backup-Lösung

Freitag, 16. August 2013

Ich lebe ja in einer Großstadt. Ziemlich mittendrin. Und da trifft man immer wieder mal so Menschen, die mit sich selbst sprechen.

So wohnt hier z.B. eine alte Dame, die eigentlich sehr liebenswürdig ist. Sie kann nicht mehr gut laufen. Nur mit einem Rollator und sehr langsam. Trotzdem quält sie sich fast jeden Tag zum Einkaufen in den Supermarkt. An manchen Tagen schimpft sie dann auf ihrem Weg fürchterlich laut mit einem unsicht­baren Gesprächspartner, auf den sie sehr wütend zu sein scheint. Die ihr entgegenkommenden Grundschüler, die sie mitunter auch mit wüsten Flüchen belegt, lachen dann hinter ihrem Rücken. Meiner Tochter habe ich erklärt, dass es der Frau manchmal eben nicht so gut geht. Dass man aber keine Angst vor ihr haben muss. Und auch nicht über sie lachen soll.

Und dann ist da noch der ziemlich verwahrloste Mann. Mit zerzausten Haaren und einem wilden Bart. Und einer seeehr speckigen Basecap. Er steht meist vor dem Supermarkt oder auf dem S-Bahnsteig. Erst dachte ich, er telefoniert wirklich. Er hat nämlich immer die Hand am Ohr und redet wie ein Wasserfall. Ziemlich laut und engagiert, aber völlig unverständlich. Mein Sohn hat mich dann darauf hingewiesen, dass der Mann gar kein Handy in der Hand hat und mich gefragt, was der Mann denn habe. Das könne ich auch nicht sicher sagen, habe ich ihm erklärt. Aber es gehe ihm vermutlich nicht so gut. In letzter Zeit hab ich den Mann gar nicht mehr gesehen. Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen.

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Und heute war da wieder jemand. Eher jünger. Und ziemlich gepflegt. Kariertes Hemd, kurze ordent­liche Hose an einem sonnigen Tag, Sandalen, Aktentasche. Wild gestikulierend überquerte er einfach diagonal eine mittelgroße Kreuzung, wo schon mal schnell gefahren wird. Meinen Kindern hätte
ich dafür die Leviten gelesen. Ich musste mit dem Fahrrad ziemlich scharf bremsen. Der Mann schien seine Umwelt überhaupt nicht wahrzunehmen und brüllte laut vor sich hin: "Das ist genau das Problem“, schrie er. „Dass Du immer eine Backup-Lösung hast!"

Komisch. Ist doch gut, eine Backup-Lösung zu haben, dachte ich mir. Wahrscheinlich schon wieder so einer. Denn ein Handy konnte ich nicht entdecken. Laut rufend ging der Mann weiter und wedelte bedrohlich mit seiner Aktentasche. Ich fürchtete, sie werde gleich auf einem Auto landen. Aber da! Plötzlich sah ich es: Im anderen, mir bisher abgewandten Ohr des Mannes steckte eins von diesen kleinen drahtlosen Headsets. Er telefonierte also doch!

Ich war enttäuscht. „Also doch ganz normal“, murmelte ich. Oder doch nicht? Manchmal frage ich mich, ob diese ganze Technik um uns herum uns nicht eines Tages dann doch noch mal alle verrückt macht.

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