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Hypertonie: Was Deutschland von einer kalifornischen HMOs lernen kann

Mittwoch, 28. August 2013

Da die arterielle Hypertonie keine Beschwerden verursacht, wird sie häufig nicht diagnostiziert und noch seltener konsequent behandelt. Nach einer alten Regel ist nur die Hälfte der Hypertoniker bekannt. Von diesen wird nur die Hälfte behandelt, und davon erreicht nur jeder zweite die Blutdruckziele. Dass dies kein unabänderliches Naturgesetz ist, zeigt ein Disease-Management-Programm der Kaiser Permanente Northern California (KPNC). Die kalifornische Health Maintenance Organization (HMO) konnte seit 2001 die Zahl der erfolgreich behandelten Hypertoniker von 44 auf 80 Prozent steigern.

Für den Erfolg geben Marc Jaffe von South San Francisco Medical Center und Mitarbeiter fünf Gründe an. Erstens erfasst KPNC alle Hypertoniker in einem Patientenregister, das seit einigen Jahren elektronisch geführt wird und alle Blutdruckmessungen und die eingesetzten Medikamente speichert. Das Register wird zweitens alle 1 bis 3 Monate ausgewertet, und die beteiligten Ärzte erhalten Auskunft über ihren derzeitigen Stand. Drittens verlässt sich die KPNC auf eigene Leitlinien, die erfolgsorientiert sind und rasch angepasst werden können. Viertens wird die Therapie nach der Erstverordnung durch den Arzt vom Hilfspersonal durchgeführt, was der HMO Geld und den Patienten Zeit einspart, da sie in der Praxis kürzere Wartezeiten haben. Fünftens favorisiert die Leitlinie seit 2005 eine fixe Kombination aus einem Thiazidiuretikum und einem ACE-Hemmer zur einmal täglichen Einnahme. Sie ist nach dem Versagen der Erst-Monotherapie vorgesehen, kann aber auch gleich zu Beginn der Therapie eingesetzt werden. Die Idee, die Hypertonie mit einer einzigen Tablette zu kontrollieren, sei bei den Patienten beliebt und erhöhe die Adhärenz, schreibt Jaffe.

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Der Editorialist Abhinav Goyal von der Emory School of Medicine in Atlanta nennt drei weitere Gründe für den Erfolg des KPNC Hypertension Program. Erstens: Die Blutdrucktherapie ist in hohem Maße standardisiert. Das schränkt zwar die therapeutischen Freiheiten der Ärzte ein, macht die Therapie jedoch insgesamt effizienter und kostengünstiger. Außerdem lässt sich das Ergebnis einer Behand­lungsstrategie leichter beurteilen, wenn sich alle Ärzte daran halten. Zweitens lässt sich die KPNC das Programm etwas kosten, wobei weniger die Mediziner davon profitieren als die anderen Beteiligten, von der Arzthelferin über den Datenpfleger bis hin zum Projektmanager. Drittens investiert KPNC in die Forschungszentren und die Qualitätskontrolle. Hier finden auch hochqualifizierte Mediziner eine Position, die vielleicht ansprechender ist als die Bestimmung des Blutdrucks und das Ausfüllen eines Rezepts in der Praxis.

Natürlich sind die Ergebnisse einer HMO nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Die HMOs haben sehr viel weitergehende Kompetenzen als die hiesigen Krankenkassen. Das KPNC ist häufig Arbeitgeber der Ärzte und betreibt auch eigene Kliniken, die damit leichter in Disease-Management-Programme eingebettet werden können. Am Ende zählt aber der Erfolg - letztlich auch in der Frage, welches System das bessere ist.

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