Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Tatort Politik

Montag, 2. September 2013

Genauso lang wie der Tatort am Sonntagabend, aber ziemlich spannungsfrei: Beim einzigen Fernsehduell vor der Bundestagswahl am 22. September zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer ging es in sieben von 90 Minuten um Gesundheit und Pflege. Zu wenig? Die Minutenzahl entspricht wohl dem Stellenwert, den die Gesundheitspolitik am Tatort Politik derzeit hat. Und wenn die Polit-Experten recht haben, die behaupten, Inhalt und Verlauf der Fernsehdiskussion würden die restlichen Wahlkampfwochen stark beeinflussen, dürfte sich an dieser Gewichtung auch nicht mehr viel ändern.

Womöglich wird den meisten der 17,6 Millionen Zuschauer aus der gesundheitspolitischen Passage des Duells vor allem in Erinnerung bleiben, dass beide Politiker privat krankenversichert sind. Was Angela Merkel und Peer Steinbrück ansonsten mitzuteilen hatten, war frei von Überraschungen – getreu Merkels Botschaft an diesem Abend: „Sie kennen mich.“ Merkel lobte das deutsche Gesundheitswesen, dankte den darin Tätigen (nannte die Krankenschwestern, vergaß (?) aber die Ärzte) und zählte auf, was ihre Regierung getan habe, um eine gute medizinische Versorgung zu sichern.

Steinbrück forderte die Bürgerversicherung als Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Kranken­versicherung, aber längst nicht mit dem Nachdruck wie den gesetzlichen Mindestlohn oder die Einschränkung der Leiharbeit. Zu Recht kreidete Steinbrück der Kanzlerin an, dass ihre Koalition die versprochene große Pflegereform nicht zustande gebracht habe. Der SPD-Mann machte sich über fünf Euro im Monat staatliche Förderung beim „Pflege-Bahr“ lustig ­­­– die Kanzlerin hielt es aber nicht für nötig (oder für opportun), den Kabinettskollegen von der FDP zu verteidigen.

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Und dann noch das: Im Internet sorgt Merkels schwarz-rot-goldene Halskette für Traffic bei Twitter und Google. Haben die Wähler in Deutschland keine anderen Sorgen? Google registrierte auch vermehrt Suchanfragen nach politischen Begriffen, und auf Merkels und Steinbrücks Facebook-Seiten werden ihre Aussagen diskutiert. Immerhin.

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 4. September 2013, 10:23

"Mutti" und "Vati"?

Das Merkel/Steinbrück TV-Duell hatte etwas von „Mutti“ und „Vati“: Die Bundeskanzlerin argumentierte emotional auf der Beziehungs- und Gefühlsebene z. B. bei den Themen Arbeitslosigkeit, Erziehungsgeld, USA-Glaubwürdigkeit in der NSA-Affäre, Euro- und Bankenkrise. Der Kanzlerkandidat Steinbrück blieb mimisch und in seiner Körpersprache weitgehend unbewegt auf der Sach- und Inhaltsebene und reagierte kaum auf die kommunikativen Seitenblicke der Kanzlerin. Betrachtet man das Ganze familiendynamisch, bewegten sich die Interviewer-Paare Will/Raab und Illner/Kloeppel auf der nachfragenden Kinderebene.

Da Bundeskanzlerin und Kanzlerkandidat beide zu Medizin-bildungsfremden Schichten gehören, waren ihre Aussagen zum Gesundheits- und Krankheitswesen, GKV, PKV und Pflegeversicherung eher allgemein und unverbindlich gehalten. M. E. zu Recht hat Steinbrück auf die Absurdität einer dualen gesetzlichen Pflegeversicherung mit kostentreibenden privaten Zusatzversicherungen hingewiesen, die sich sehr viele Menschen in Deutschland ebenso wie eine private Krankenvollversicherung definitiv nicht leisten können. Bei beiden Gesprächs-Kontrahenten blieb es allerdings zu sehr auf der Appell- und zu wenig auf der Selbstreflexions-Ebene.

Mf+kG Dr. med.Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Montag, 2. September 2013, 14:58

Haben die Wähler in Deutschland keine anderen Sorgen?

Klare Antwort: Nein! Solange der Benzinpreis unter 3 € liegt und regelmäßig Fußball im Fernsehen kommt, ist alles OK.
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