Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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Das lange Warten

Glücksmomente

Dienstag, 3. September 2013

Paul Behrend hat in den bisherigen Blogs meistens über Schwierigkeiten gesprochen, die mit der Dialyse zusammenhängen. Es gebe aber durchaus auch Momente der Freude und des Glücks. „Das ist vielleicht für einen Außenstehenden etwas schwer nachvollziehbar, aber solche Momente gibt es wirklich“, meint Behrend.

Häufig seien dies nur Kleinigkeiten, die für ihn jedoch bedeutsam seien. Solche Glücksmomente entstünden beispielsweise, wenn man sich über ein Quartal lang „mit seiner Ernährung herumgequält hat und dann bei der Routineuntersuchung feststellt, dass es sich gelohnt hat, weil dabei Laborwerte herauskommen, mit denen man gar nicht gerechnet hätte“. Behrend hat zum Beispiel immer Probleme mit den Phosphatwerten.

Der Verzehr von Käse und „schlechtem Fleisch“, also beispielsweise Wurstaufschnitt würde zu hohe Phosphatwerte verursachen. „Doch gerade das schmeckt halt oft so gut“, räumt Behrend ein. Da sei er dann auch schon mal etwas nachlässig. „Doch wenn ich nach einiger Zeit des Verzichts Werte wie Gesunde habe, freue ich mich natürlich besonders. Dann weiß man, wofür man sich drei Monate lang gequält hat. Das ist dann einer dieser Glücksmomente.“

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Ein weiterer Glücksmoment besteht auch darin, wenn es ihm gelungen ist, nach einem Wochenende „die Wasserwerte in einem vernünftigen Maß zu halten“. Das käme allerdings leider nicht allzu oft vor, bedauert Behrend. „Ich schlage da auch schon mal über die Stränge.“

„Ein besonders toller Moment ist es, wenn ein Mitpatient, mit dem man sehr lange zusammengelegen hat, erfolgreich transplantiert worden ist.“ Montags hätte man beispielsweise noch mit einer Mitpa­tientin gemeinsam an der Dialyse gehangen, und mittwochs erführe man dann, dass die Patientin eine Nacht vorher transplantiert worden sei. Die Transplantierten, die nach langem Warten endlich eine neue Niere erhalten hätten, kämen dann immer noch einmal ins Dialysezentrum und teilten den ehemaligen Mitpatienten mit, dass es ihnen gut gehe. „Das ist bei uns so Tradition.“ Die Freude sei dann in doppelter Hinsicht groß – für den ehemaligen Mitpatienten, aber auch für sich selbst, weil man dann wieder neue Hoffnung schöpfe, dass man vielleicht bald der nächste mit einer neuen Niere ist.

Und dann gibt es nicht zuletzt auch noch ganz „profane Ereignisse, die Freude bereiten“. Eines dieser regelmäßigen Highlights sei die gemeinsame Currywurst-Mahlzeit. Als Dialysepatient darf man norma­lerweise keine Currywurst essen, weil die Tomatensauce ebenso wie Pommes frites zu viel Kalium enthält. Die Pommes frites seien außerdem auch zu salzig. „So etwas darf ein Dialysepatient eigentlich gar nicht essen, es sei denn, er isst es während der Dialyse.“ Behrend lobt sein Zentrum als „sehr liberal und freundlich“. Das Personal ermögliche es daher auch, dass circa alle sechs Wochen ein Ehemann oder eine Ehefrau eine Großbestellung entgegennimmt und zur nächsten „Pommesbude“ fährt. Dazu gibt es dann auch noch ein Glas Cola. Früher habe er sich daraus nicht viel gemacht, meint Behrend, aber inzwischen sei Cola ein „Festtagsgetränk“ für ihn.

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