Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Drogentest

Montag, 30. September 2013

In Zukunft werde ich für eines der Krankenhäuser des Mayo-Clinic Krankenhausverbundes auf Teilzeitbasis im US-Bundesstaat Minnesota arbeiten. Die Mayo Clinic ist natürlich ein prestigeträchtiges Krankenhaus in den USA und wenig überraschend musste ich eine Vielzahl an Referenzschreiben, Formularen, Dokumente und Zertifikate einreichen.

Aber etwas, das in den USA gang und gäbe ist, aber selten von Ärzten verlangt wird, machte mich doch stutzig: Ich sollte einen Drogenharntest einreichen. Mir blieb keine Wahl. Auch wenn ich ihn als unnötige Schikane ansah, so habe ich ihn absolviert; doch genau hier fällt auf nuancierte Weise die Kluft zwischen Deutschland und den USA deutlich auf – während all meine US-amerikanischen Freunde schon sehr oft Drogenharnproben, zum Teil alle drei Monate, machen müssen – selbst einfache Arbeitsstellen wie McDonaldsarbeiter oder Golfplatzwarte diese abzuleisten haben – sind solche Untersuchungen in Deutschland noch wenig verbreitet.

Auβerdem grenzt die ganze Untersuchung schon fast an Schikane: Es wird einem ein leerer Harnbecher zugeschickt und man muss einen Termin bei einem der vielen Untersuchungslabors vor Ort machen. Wo diese sind erfährt man, indem man eine kostenlose Nummer anruft und sich durch diverse automatisierte Fragen endlich die Adresse geben lässt.

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Dort erscheint man zum angegebenen Termin (oder wartet eine Stunde im Wartesaal), Ausweispapiere werden genau untersucht und mit einem zweiten Ausweis abgeglichen. Dann muss man all seine Taschen leeren und Rucksack etc. abgeben. Anschlieβend wird man abgeklopft und darf erst dann in das WC – eben um zu vermeiden, dass man Harnproben von anderen mitnimmt und diese dann statt seines eigenen nutzt.

Dann wird die Temperatur schnell beim abgegebenen Präparat geprüft – ist der Harn auch wirklich frisch? – und erst danach in die eigentlichen Behälter gefüllt. Dann mit Einwegklebeband verschlossen, in eine separate Tüte verpackt und mittels Schnellkurier an das eigentliche Referenzlabor verschickt.

Erst hiernach darf man dann gehen und wartet darauf, dass das Ergebnis bestätigt, dass man ein braver und drogenfreier Bürger ist. Und dann geht es endlich zur Arbeitstelle.

 

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