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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Gehen senkt Brustkrebsrisiko (ein wenig)

Freitag, 4. Oktober 2013

Dass Sport den weiblichen Hormonhaushalt beeinflusst, wurde bereits in den 80er Jahren in einer experimentellen Studie an untrainierten US-Studentinnen gezeigt (NEJM 1985; 312: 1349-53): Ein intensives Sportprogramm mit täglichem Jogging (über bis zu 16 km am Tag) löste bei fast allen Studienteilnehmerinnen innerhalb weniger Wochen Zyklusstörungen aus. Bekannt ist auch, dass viele Leistungssportlerinnen anovulatorisch sind.

Der damit verbundene Östrogenmangel könnte im Prinzip vor einem Brustkrebs schützen, doch die epidemiologische Beweislage hierzu war bisher eher schwach. Janet Hildebrand von der American Cancer Society in Atlanta hat deshalb die Daten zu 73.615 postmenopausalen Frauen aus der Cancer Prevention Study II Nutrition Cohort ausgewertet. Sie waren 1992 erstmals nach ihren Lebensge­wohnheiten befragt worden, die Hildebrand mit den Brustkrebserkrankungen in den folgenden
17 Jahren in Beziehung setzte.

Zunächst einmal musste die Forscherin feststellen, dass postmenopausale Frauen nicht gerade sportbegeistert sind. Eine von zehn Frauen trieb gar keinen Sport, und die anderen kamen meistens über gelegentliche Spaziergänge nicht hinaus. Die Epidemiologin musste in ihren Berechnungen außerdem berücksichtigen, dass Frauen, die ein wenig Sport trieben, in der Regel schlanker waren, weniger Alkohol tranken und auch seltener rauchten, womit sie gleich drei Risikofaktoren mieden (wobei die Belege für den Risikofaktor Rauchen beim Brustkrebs nicht so klar sind). Andererseits hatten sie häufiger eine postmenopausale Hormontherapie betrieben (heute ein etablierter Risikofaktor) und waren häufiger zur Mammographie gegangen (was die Brustkrebsinzidenz scheinbar steigen lässt).

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Der Einfluss dieser Faktoren lässt sich zwar statistisch korrigieren. In Beobachtungsstudien besteht aber immer die Gefahr, dass andere Aspekte eines gesunden Lebensstils, etwa spezielle Ernährungs­gewohnheiten, die ebenfalls vor dem Brustkrebs schützen können, bei den Berechnungen übersehen
wurden. Am Ende ermittelt Hildebrand ein um 25 Prozent vermindertes Brustkrebsrisiko für Frauen, die intensiv Sport treiben und dabei mehr als 42 metabolische Äquivalente pro Stunde und Woche verbrauchten – was etwa einer Stunde intensivem Jogging am Tag entspricht und damit jenseits dessen liegt, wozu die meisten Frauen nach der Menopause motiviert werden könnten.

Der protektive Effekt war jedoch dosisabhängig – in Beobachtungsstudien immer ein Hinweis auf eine Kausalität – und Frauen, die mehr als sieben Stunden in der Woche spazieren gingen, erkrankten zu 14 Prozent seltener an Brustkrebs als Frauen, die wöchentlich weniger als 3 Stunden zu Fuß unterwegs waren. Das relative Risiko von 0,86 ist allerdings für epidemiologische Studien recht gering und nur dank der großen Teilnehmerzahl mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,75 bis 0,98 signifikant. Die Wirkung gelegentlicher Spaziergänge in der Prävention des Mammakarzinom sollte deshalb nicht überschätzt werden.

Andererseits ist Sport neben Diät und dem Vermeiden von Übergewicht eine der wenigen Möglichkeiten einer Brustkrebsprävention. Die Rezepte sind trotz intensiver Forschungsanstrengungen vage geblieben. Dabei steht fest, dass Umweltfaktoren einen wichtigen Einfluss auf den Brustkrebs haben. Unter Ostasiatinnen ist die Inzidenz fünf bis zehnfach niedriger als bei Amerikanerinnen – solange sie nicht in die USA emigrieren.

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