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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die Wintersaison in Florida beginnt

Freitag, 11. Oktober 2013

Es ist wieder soweit: Die Straβen Floridas werden voller, zum Teil geht es nur noch im Schneckentempo voran, immer mehr Rentner bevölkern die Restaurants und Strände und kanadische KFZ-Kennzeichen sind wieder allenthalben sichtbar. Von einer Finanzkrise aufgrund des Haushaltsstreites ist überhaupt nichts zu spüren. Alle Jahre dasselbe Spektakel: Die Wintersaison beginnt Ende September, der Norden Amerikas wird kälter und dunkler und Millionen strömen deshalb ins sonnenverwöhnte und warme Florida.

Das spiegelt sich natürlich auch in meinen Krankenhausdiensten wider. Statt zehn bis 15 Aufnahmen pro Nachtdienst habe ich mittlerweile um die 20 internistische Aufnahmen; da sich das auf drei Krankenhäuser in jeweils fünf Kilometer Entfernung voneinander niederschlägt, sind das ziemlich anstrengende Nachtdienste. Mein Rekord liegt bei 32 Aufnahmen in einer 13-Stundenschicht – das ist für einen Internisten beachtlich, noch dazu angesichts des Hin- und Herfahrens. Ich weiβ aus Erfahrung, dass diese Aufnahmezahlen von den gegenwärtigen 15 bis 20 noch mehr zunehmen werden bis zu einem Plateau, das sich von Dezember bis etwa April erstreckt. Das sind äuβerst anstrengende Monate.

Ich kann dieses Volumen jedoch nicht mit meinem Gewissen verantworten: Die hohe Patientenzahl macht es unmöglich, ausreichend Zeit für Diagnostik und Therapie zu haben, und das wichtige Aufnahme­gespräch und –untersuchung wird schlampig unter diesen Bedingungen. Unter solchen Bedingungen wird mein Beruf zur Qual.

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Daher habe ich, angesichts auch des enormen kapitalistischen Druckes, den meine Arztgruppenfirma auf mich ausübt und den ich in vergangenen Texten schon angesprochen habe, meine Stelle nun vollständig gekündigt und werde entgegen dem Touristenstrom vom Süden in den Norden der USA gehen –auf Teilzeitbasis in Minnesota arbeitend. Aber auch ich kann mich dem Charme des Floridawinters nicht verschlieβen und bleibe zumindest diesen Winter über in Florida in meiner freien Zeit wohnen.

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