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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Europa: Krebs in Deutschland am teuersten

Montag, 14. Oktober 2013

Krebserkrankungen kommen die Gesellschaft teuer zu stehen. Zu Buche schlagen nicht nur die Kosten für Diagnose und Therapie, sondern auch Arbeitsausfälle und der frühzeitige Tod von Menschen, die mitten im Arbeitsleben standen. Forscher der Oxford Universität haben die ökonomische Last („economic burden“) jetzt in einer Studie bestimmt, deren Ergebnisse allerdings mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Nach der neuesten Analyse des Health Economics Research Centre der Universität Oxford – zwei frühere Untersuchungen beschäftigten sich mit den ökonomischen Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenzen – verursachten Krebserkrankungen in den 27 Ländern der Euro­päischen Union (EU) im Jahr 2009 Kosten von insgesamt 126 Milliarden Euro. Davon entfielen 51 Milliarden Euro auf das Gesundheitssystem, 52 Milliarden entstanden durch Produktivitätsausfälle infolge Krankheit und Tod. Der Rest von 23 Milliarden Euro wurde durch informale Kosten verur­sacht. Gemeint ist hier der Aufwand, der Verwandten und Freunden durch die Betreuung von Krebskranken entsteht.

Zwei Drittel aller Kosten entfielen in Europa auf die vier Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, wobei Krebserkrankungen in Deutschland am teuersten waren. In den drei anderen Ländern (mit jeweils etwa einem Viertel weniger Einwohner) war der economic burden nur halb so hoch wie in Deutschland.

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Auch bezogen auf das Bruttosozialprodukt sind die ökonomischen Belastungen durch Krebser­krankungen in Deutschland (1,48 Prozent) ein Drittel höher als in Großbritannien (0,91 Prozent), Frankreich (0,90 Prozent) oder Italien (1,08 Prozent). Die Angaben zu vielen anderen Ländern sind mit Vorsicht zu interpretieren, da das Team um Ramon Leungo-Fernandez hier hochrechnen und schätzen musste. Überhaupt wurden in der Studie 150 verschiedene Datenquellen verwendet. Die Erhebung von Gesundheitsdaten ist noch nicht europaweit standardisiert, was die Vergleichbarkeit infrage stellt.

Tatsache ist aber, dass das Gesundheitswesen in Bulgarien mit erheblich weniger Geld für die Behandlung von Krebskranken aufkommen muss als hierzulande. Die Kosten pro Einwohner betrugen im Stichjahr 2009 gerade einmal 16 Euro. In Deutschland waren es mit 182 Euro pro Einwohner mehr als elf Mal so viel. Deutschland hat – nach Luxemburg mit 184 Euro pro Einwohner, die teuerste Krebsversorgung in Europa und ist von den USA – 196 Euro pro Person in einer anderen Studie – nicht mehr weit entfernt.

Die Krebsmedikamente haben dabei einen verhältnismäßig geringen Anteil. Die höchsten Krankheitskosten entstehen in Deutschland, wie auch in den meisten anderen Ländern durch die Krankenhausbehandlungen. Hier schlagen natürlich die Personalkosten – in der Studie nicht ausgewiesen – zu Buche, die in den ökonomisch schwachen Ländern weitaus geringer sind. Dort dürften auch die Preise für Materialien und teilweise auch für Arzneimittel geringer sein. Ein europaweiter Vergleich ist vor diesem Hintergrund nur bedingt aussagekräftig.

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 20. Oktober 2013, 13:24

Demagogische Oxford-Studie?

Die Analyse des Health Economics Research Centre der Universität Oxford übersieht, dass in den meisten europäischen Vergleichsländern und ganz besonders in den USA im G e g e n s a t z zur Bundesrepublik Deutschland bei Krebserkrankungen längerfristige, gesetzlich verbindliche Lohnfortzahlungen und Krankengeldansprüche bei Arbeitgebern/Krankenkassen n i c h t oder nur eingeschränkt zusätzliche Kosten verursachen. Die Studie krankt an mangelnder Vergleichbarkeit und ungenügender Datenbankrecherche. Bulgarien ernsthaft als Vergleichsland heranziehen zu wollen, ist ebenso unseriös-zynisch wie populistisch-demagogisch!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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