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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Kontaminierte Brustmilch von Internet-Ammen

Dienstag, 22. Oktober 2013

Die Idee ist medizinisch begründet, doch die Umsetzung nicht ohne Risiko – vor allem wenn sie ohne Kontrolle und ohne das nötige Fachwissen erfolgt. In den USA haben sich in den letzten Jahren private Austauschbörsen für Muttermilch entwickelt. Stillende Frauen, die Milch erübrigen können, spenden hier für die Säuglinge von Müttern, die nicht stillen können oder wollen.

Bei Handelspreisen von mehreren US-Dollar pro Unze (28 Gramm) dürfte sich die eine oder andere Frau auch überlegen, ob sie die Stillzeit für einen kleinen Nebenverdienst nicht künstlich verlängern sollte. Genaues ist über die Spenderinnen nicht bekannt, auch wenn Börsen wie „Eats On Feets“ oder „Onlythebreast“ versichern, dass sie die Frauen genau befragen oder auf Wunsch einen Kontakt mit den Spenderinnen ermöglichen.

Dass Milch eine verderbliche Ware ist und dass sie schnell zum Nährboden für Krankheitserreger werden kann, wusste bereits Louis Pasteur, der vor nunmehr 150 Jahren ein Verfahren entwickelte, das in der Milchwirtschaft noch heute Standard ist. Ohne eine Pasteurisierung ist auch die Gefahr, dass Muttermilch beim Versand verdirbt, hoch.

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Nicht weniger als 74 Prozent der Milchproben, die Sarah Keim vom Nationwide Children’s Hospital in Columbus/Ohio für ihre Studie anonym im Internet orderte, waren so stark mit Bakterien kontaminiert, dass sie den Kriterien der Human Milk Banking Association of North America nicht für den Verzehr geeignet sind. Zwei Drittel enthielten Staphylokokken, ein Drittel Streptokokken, und in drei Milchproben wies das Labor sogar Salmonellen nach. Auch Coli-Erreger gelangten, auf welche Weise auch immer, in die Milchproben, die nicht pasteurisiert wurden und in den meisten Fällen auch ungekühlt verschickt wurden.

Die Forscherin empfiehlt allen Frauen, sich an die staatlichen Milchsammelstellen zu wenden, die die Milch in der Regel jedoch für die Frühgeburten in den eigenen Kliniken reserviert. In Deutschland gibt es heute nur noch an wenigen Kliniken Frauenmilchsammelstellen (FSM). In der alten Bundesrepublik schlossen die letzten FSM in den 1970er Jahren. In der DDR gab es noch bis 1989 in jeder Stadt mit über 50.000 Einwohnern eine staatlich verordnete Muttermilchbank.

Nur wenige, etwa am Klinikum Frankfurt/Oder, haben bis heute überlebt. Lange als Relikt der DDR betrachtet, könnten sie, im Internet-Zeitalter eine Renaissance erleben – aber bitte nicht im anonymen Internetversand auf privater Basis ohne jegliche Qualitätskontrolle.

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