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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die elektronische Patientenakte

Donnerstag, 24. Oktober 2013
Mittlerweile habe ich in diversen Krankenhäusern in den USA zunächst als Medizinstudent, dann als Assistenz- und nun als Facharzt gearbeitet. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat die Computerisierung massiv zugenommen und spätestens mit der Gesundheitsreform durch Präsident Obama ist zu erwarten, dass bis 2014 bis zu 90 Prozent aller Krankenhäuser in den USA völlig computerisiert sein werden; das heißt, dass nicht nur alle Patientendaten wie Vitalparameter, Arztbriefe, Labor- und Radiologiebefunde im EDV-System zu finden sind, sondern auch dass alle ärztliche Anweisungen via Rechner eingegeben und verarbeitet werden, EKGs elektronisch eingelesen werden, Patientendaten wie Personalausweis, Kran­ken­ver­siche­rungskarte elektronisch gespeichert werden und so weiter und so fort. Damit kann man prinzipiell jede Minute des Patientenaufenthaltes rekonstruieren. 

Die Vorteile sind klar: Transparenz, Nachvollziehbarkeit der Stationsabläufe, Fehlervermeidung mittels Rechnerprogramme zur Allergiebenachrichtigung, wenn ein kontraindiziertes Medikament verschrieben wird, Wegfallen doppelter Diagnostik, Interaktionsberechnung von Medikation, verbesserte Kommunikation durch das Medium Informatik etc. Die Nachteile sind ebenfalls eindeutig: Allgegenwärtig benötigte PCs, zum Teil unübersichtliche Datenmengen, Störanfälligkeit bei Strom- und EDV-Dysfunktion, Generationenverschiedenheit im Umgang mit EDV-Systemen usw.

Was mir im Alltag zwischen all den Krankenhäusern jedoch am meisten auffällt, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Institutionen. Ein bestimmter Konzern benutzt beispielsweise das Programm „Epic Excellian", ein windowsähnliches Aktensystem, ein anderes „Cerner", ebenfalls windowsbasiert und allumfassend in seiner Konzeption.

Es dauert oft Wochen, ehe man sich an diese Programme ausreichend gewöhnt hat, um sie weniger als Last denn als Bereicherung zu begreifen. Kleinere Konzerne und Krankenhäuser benutzen weniger teure Systeme wie „HCARE Portal", „Medical Access Portal (MAP)" oder das sehr günstige, DOS-basierte „Meditech”. Diese sind in ihrer Geschwindigkeit, ihrer Benutzerfreundlichkeit und ihrer Funktionalität deutlich eingeschränkter.

Nun das Alltagsproblem beim Wechsel zwischen einzelnen Institutionen: Während früher papierbasierte Anweisungen mehr oder minder ähnlich waren und der Ablauf leicht zu übetragen war, ist heutzutage ein Arbeitsplatzwechsel oft mit einem Betriebssystemwechsel gleichbedeutend. Das mag unproblematisch klingen, ist aber in Wirklichkeit genau das Gegenteil, wie ich derzeit selber am eigenen Leib spüre; es scheint wie das Erlernen einer neuen Sprache. Das Ziel der US-Regierung durch die flächendeckende Einführung einer globalen Patientenakte eine Vereinfachung zu erreichen, scheint aus meiner persönlichen Perspektive unerreicht.

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Avatar #113140
Klempner
am Mittwoch, 30. Oktober 2013, 15:55

Privatarzt in USA

By the way..
http://www.bmj.com/content/347/bmj.f6465
Interessanter Artikel im BMJ. Vielleicht können Sie ein Kommentar aus Ihrer Sicht der Dinge schreiben. Die Diskussion pro und contra Privatarzt ist auch in D ein Dauerbrenner..
Avatar #114602
Brech
am Samstag, 26. Oktober 2013, 10:55

el. Pat. Akte

Das ist in Deutschland auch nicht anders. Jeder Konzern hat seine eigenen Programme und bei jedem Arbeitssplatzwechsel muss man sich umgewöhnen. Ist aber wahrscheinlich in anderen beruffen auch nicht anders.
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