Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Bin ich ausgebrannt?

Freitag, 15. November 2013

Ich fuhr Ende Oktober zwei Tage lang unentwegt Auto, nämlich von Tampa in Florida nach Minnesota zu meiner derzeitig befristeten Teilzeitstelle – die Strecke beträgt knapp 1.600 US-Meilen, also ungefähr 2.500 Kilometer. Die Fahrt war sehr abwechslungsreich mit kleinen Abenteuern auf dem Weg und interessant fand ich, dass ich die Fahrt in Florida barfuß, in kurzen Hosen und dünnem Hemd begann und in Minnesota bei Frostbedingungen auf Winterjacke, Pullover, langer Hose und trittfestem Schuhwerk nur ein Tag später umsteigen musste.

Die Heizung lief unentwegt, denn es ist eben Ende Oktober und erste Schneeflocken ließen sich schon auf meinem Autodach nieder. Auf dieser Fahrt konnte ich Hörbücher zum Thema Existentialismus und Weltliteratur hören, vor allem aber über mich und mein Arbeitsleben in den USA der letzten viereinhalb Jahre nachdenken; Bilanz ziehen tue ich gerne.
Ich kam einmal wieder zum Schluss, dass die Entscheidung, in die USA für meine ärztliche Ausbildung zu gehen, die richtige gewesen war. Die drei Jahre Facharztausbildung in Minnesota waren goldrichtig gewesen; aber ob die Entscheidung im Anschluss hieran als internistischer Krankenhausarzt an fünf Krankenhäusern in Florida zu arbeiten, richtig gewesen war, kann ich nicht so klar sagen.

Der dann doch etwas abrupt geschehene Umstieg auf Teilzeit und dann innerhalb kürzester Zeit die  Kündigung meinerseits ist aus meiner Sicht etwas unschön für den Arbeitgeber und meine Kollegen gewesen, aber eine kluge Entscheidung. Hier war die Bilanz und das Fazit wiederum klar.
Mit Erstaunen stellte ich auf dieser Fahrt aber fest, wie müde ich mich nach diesen anderthalb Jahren fühle, wie ausgelaugt. „Bin ich ausgebrannt?”, habe ich mich mehrmals gefragt, glaube aber nicht alle diagnostische Kriterien zu erfüllen. Nachschlagen will ich es aber auch nicht.
Für mich ist mittlerweile klar geworden, dass gerade die jungen Fachärzte lieber zu viel als zu wenig Zeit verbringen sollten, ihre zukünftige Arbeitsstelle auszuloten. Ein Arbeitsvertrag ist schnell unterschrieben, die Konsequenzen hiervon aber lange spürbar

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