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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Übergewicht bedingt frühere Pubertät

Dienstag, 5. November 2013

In der aktuellen Novemberausgabe des Fachmagazins Pediatrics wurde jüngst eine Kohortenstudie veröffentlicht, die in den USA viel Medienaufmerksamkeit erhält: Biro FM et al, "Onset of Breast Development in a Longitudinal Cohort", Pediatrics 2013: 132 (5), 1-9. Die Autoren gehen der Frage nach, wann die Pubertät unter US-Mädchen einsetzt und welche Faktoren dazu möglicherweise geführt haben, dass die Pubertät bei manchen unter ihnen früher einsetzt. Es wurden für diese Untersuchung 1.239 Mädchen zwischen 2004 und 2008 im Alter zwischen sechs und acht Jahren inkludiert, wobei sie aus den drei Metropolenregionen San Francisco, New York Stadt und Cincinatti stammen. Diese wurden bis zum März 2012 in halb- oder jährlichen Abständen untersucht und diese Daten nun veröffentlicht.

Wenig überraschend und schon aus früheren Daten bekannt, beginnt die Thelarche - festgelegt als Brustentwicklungsstadium II - und damit die Pubertät bei den verschiedenen Ethnien zu unter­schiedlichen Zeitpunkten: Bei afroamerikanischen Mädchen im Medianalter von 8,8 Jahren, bei hispanischen bei 9,3 und bei weißen und asiatamerikanischen Mädchen bei 9,7 Jahren.

Weiterhin nicht ganz unerwartet, aber dennoch etwas überraschend war die Tatsache, dass die Pubertät noch früher als aus vorherigen Studien bekannt einsetzt und dass es eine klare Korrelation zwischen Körpermassenindex (englisch: BMI) und Einsetzen der Thelarche, bzw. Pubertät gibt: Je übergewichtiger das Mädchen, desto früher die Thelarche. Für weitergehende Details verweise ich auf den Artikel unter http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2013/10/30/peds.2012-3773.abstract
Das schlägt natürlich in den USA hohe Wellen - in diesem Land vergeht kein Tag, an dem nicht über Adipositas und ihre negativen Folgen diskutiert wird. Doch trotz lauter Diskussion scheint man keine Lösung gefunden zu haben und immerhin sind 17% der Kinder in den USA, also 12,5 Millionen Kinder, laut der US-amerikanischen Gesundheitsorganisation CDC übergewichtig. 

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Die Privatwirtschaft hingegen scheint sich schon längst auf diese früher werdende Pubertäts­entwicklungen eingestellt zu haben und darauf, dass nun immer jüngere Kinder diverse Hygieneartikel benutzen müssen wie Tampons, Binden, BHs und Deodorants; zunehmend werden die Produkte kinderfreundlich mit Sternen, Herzchen und kindlichansprechender Ausstattung hergestellt. Siehe z.B. https://www.ubykotex.com/products/tween-pads/1223 oder http://www.boots.com/en/Keep-It-Kind-Fresh-Kidz-Deodorant-Roll-on-50ml_1305069/)    

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Avatar #88255
doc.nemo
am Montag, 11. November 2013, 11:10

Was ist daran


jetzt überraschend? Dass dicke Mädchen früher in die Pubertät kommen, ist allen Ärzten aus ihrer Berufserfahrung her bekannt, und im Übrigen kann man das auch im Alltagsleben problemlos erkennen.
Avatar #93878
stapff
am Dienstag, 5. November 2013, 21:39

Da ist mehr dahinter als eine Korrelation Thelarche und BMI

Die Studie hat das Tanner Stadium als Surrogat-Parameter für den Beginn der "Pubertät" verwendet. Der Einastz der Regelblutung wurde nicht berücksichtigt. Insofern ist nicht klar, inwieweit die Daten auch durch simple Ausprägung der Adipositas beeinflußt sind. Aber wie dem auch sei - in USA sind die zunehmende Adipositas und "Frühreife" ein großes Problem, insbesondere in den unteren sozialen Schichten. Ganz abgesehen davon, daß die Mädchen in keiner Weise adäquat seelisch darauf vorbereitet sind auf das, was mit ihrem Körper passiert, wie er auf andere wirkt und wie sie mit den Einflüssen umgehen sollen, mit denen sie täglich durch TV und soziale Medien konfrontiert sind und die ihnen vorgaukeln wollen, wie sie ihr beginnendes Sexualleben zu gestalten haben. Neben dieser psychosozialen Diskussion bleibt die Studie leider auch eine wissenschaftlich/medizinische Erklärung dieser Akzerelation schuldig.

By the way.... was den Kommentar zum "BMI" angeht: Sorry, englisch ist nun einmal die Sprache der Wissenschaft, und da sollte man nicht zwanghaft versuchen jeden Standardbegriff mit aller Gewalt einzudeutschen.
Avatar #625311
L.A.
am Dienstag, 5. November 2013, 12:53

BMI = "Körpermaßindex" ?

Ich finde es gut, dass der Autor die hierzulande herrrschende Unsitte des übermäßigen Gebrauchs von englischen Fremdwörtern n i c h t mitmacht. Müsste aber BMI nicht mit "Körpermassenindex" eingedeutscht werden? Es geht beim BMI doch um eine Masse, nicht um ein Maß...
Ansonsten ein guter Artikel, wie immer.

Da haben Sie natürlich Recht, da haben wir etwas "verschlimmbessert"!
LNS
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