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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Depressionen beschleunigen das Altern

Dienstag, 19. November 2013

Menschen mit Depressionen rauchen häufiger und trinken mehr Alkohol als andere, sie treiben weniger Sport und sind deshalb oft übergewichtig (was einige Antidepressiva noch fördern). Diese Risiko­merkmale wiesen auch viele Patienten mit Major-Depression auf, deren Blut Josine Verhoeven vom VU University Medical Centre in Amsterdam von einer US-Firma untersuchen ließ, die sich auf die Beurteilung von Telomeren spezialisiert hat. Telomere sind die Polregionen der Chromosomen. Ihre Länge nimmt mit jeder Zellteilung und damit im Alter ab. Viele Forscher betrachten sie deshalb als einen Maßstab für das biologische Altern.

Die Zelluntersuchungen ergaben nun, dass Patienten mit einer aktiven Depression kürzere Telomere hatten als Patienten, die sich in Remission befanden. Diese wiederum hatten kürzere Telomere als eine Kontrollgruppe von Gesunden. Die Unterschiede waren statistisch signifikant, und sie blieben es auch, nachdem Verhoeven den gesunden Lebensstil der depressiven Patienten einberechnete. Die Patienten mit Depression waren im Durchschnitt um 4 bis 6 Jahre früher gealtert, schreibt sie. Wie immer in derartigen Untersuchungen steht und fällt die Aussage mit der Genauigkeit der Lebensstil-Analyse.

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Rauchen, Alkohol und Bewegungsmangel sind möglicherweise nicht die einzigen Bereiche, in denen Menschen mit Depressionen ihre Gesundheit vernachlässigen. Stress und suizidäres Verhalten sind andere Faktoren, die nicht so einfach gemessen werden können. Hinzu kommt sicherlich, dass die Bedeutung der Telomerlänge für das Altern umstritten ist. Nicht alle Forscher sind überzeugt, dass das biologische Alter Einfluss auf die Lebenserwartung hat.

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 20. November 2013, 09:03

Henne-Ei-Problem?

Ein typisches Ei-Henne-Ei-Problem. Was kam zuerst? Und welche Rolle spielte der Hahn überhaupt dabei?

Die Bedeutung und Kausalität der Telomerlänge für das Altern (et vice versa) ist ebenso umstritten, wie im G e g e n s a t z zur Titelzeile auch das Altern s e l b s t eher Depressionen beschleunigen könnte. Rauchen und Alkohol trinken könnte damit ein Stimulans gegen die Tristesse des Alterns und der zunehmenden Depression sein.

Solange diese Möglichkeiten nicht als belastbare Hypothesen formuliert, geprüft, validiert und diskutiert werden, ist die hier zitierte Studie völlig wertlos.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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