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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Odón Device: Youtube-Video inspiriert sanfte Geburtsmethode

Donnerstag, 14. November 2013

Hebammen und Geburtshelfer wissen: Eine vaginale Entbindung kann schwieriger sein als das Bergen eines Korkens aus einer leeren Flasche. Ein schlechter und völlig unangemessener Vergleich? Vielleicht. Vielleicht muss man aber auch Automechaniker sein, wie  Jorge Odón, um hier einen Zusammenhang zu sehen. Odón wurde durch ein Youtube-Video inspiriert. Dort wurde vorgeführt, wie sich mit Hilfe einer in die Flasche gedrückten und dann aufgeblasenen Plastiktüte ein Korken bergen lässt.

Odón probierte es in der heimischen Küche mit einer Glasflasche als Uterusmodell und der Puppe seiner Tochter aus. Und es funktionierte. Mittels eines Applikators wird eine Plastiktüte in den Geburtskanal geschoben. Nach dem Aufblasen der Tüte legt sich die innere Plastikschicht fest um den Kopf des Kindes, das dann dank der geringen Reibung zweier übereinander liegender Plastikschichten leicht durch den Geburtskanal gezogen werden kann.

Im Jahr 2008 durfte Odón seine Methode zuerst auf einem Ärztekongress in Buenos Aires vorstellen. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, ob ein hiesiger Autotüftler wohl von einer deutschen Fachgesellschaft eingeladen worden wäre. Die argentinischen Gynäkologen jedenfalls waren begeistert. Seither hat sich die Methode langsam herumgesprochen.

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Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat erkannt, dass das Odón Device eine einfache, sichere und vor allem kostengünstige Methode sein könnte. Die Firma Becton, Dickinson and Company (BD) will es auf den Markt bringen. Geplant ist eine erste klinische Studie an 130 Frauen. Denn dass das Odón Device auch im klinischen Einsatz sicher und effektiv ist, muss erst noch gezeigt werden. Bisher gibt es nur Einzelerfahrungen aus Argentinien an komplikationsfreien Geburten.

Sollte die Studie erfolgreich beendet werden, dürfte der Hersteller sogar auf eine Zulassung in Nordamerika und Europa hoffen. Dass das Odón Device hierzulande ein wirtschaftlicher Erfolg würde, muss allerdings bezweifelt werden. Die meisten Schwangeren dürften es wohl ablehnen, ihr Kind mit einer Plastiktüte über dem Kopf zu entbinden, und die Gynäkologen gehen hierzulande schon länger auf Nummer sicher. Der Kaiserschnitt hat die frühere Zangengeburt weitgehend verdrängt. In ärmeren Ländern könnte die Methode Odón jedoch viele Todesfälle durch Geburtskomplikationen verhindert. Wer weiß, vielleicht wird dem Autoschrauber aus Argentinien ja irgendwann ein Denkmal errichtet.

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