Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Was zu klären bleibt

Samstag, 14. Dezember 2013

„Ich bin Hausärztin. Ich werde Ihnen fehlen.“ An diesem Plakat am S-Bahnhof Tiergarten kamen die Delegierten vorbei, die am Freitag mit der Bahn zur Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) anreisten. Selbstverständlich war die Anzeige nicht auf die mögliche Abwahl der thüringischen Hausärztin Regina Feldmann aus dem KBV-Vorstand gemünzt, sie stammt vielmehr aus der Imagekampagne der Spitzenorganisation. Nach der Ver­tre­ter­ver­samm­lung hinter verschlossenen Türen fehlt weder die Hausärztin im Vorstand noch der Facharzt. Die Abwahlanträge gegen Feldmann und Andreas Köhler scheiterten.

Die KBV ist arbeitsfähig. Aber damit ist ausgerechnet jetzt in diesen Tagen, in denen die neue Bundesregierung gebildet wird, das Positive gesagt. Oder wie Stefan Windau, stellvertretender VV-Vorsitzender, es nach der Sitzung hinter verschlossenen Türen ausdrückte: „Der Zustand ist auf Dauer nicht zu ertragen. Es muss und wird in den nächsten Wochen eine Klärung erfolgen.“ Was die VV-Vorsitzenden und auch Feldmann selbst beklagen, ist die Konfrontation des hausärztlichen und des fachärztlichen Lagers in der VV.

Außenstehenden ist deren Grund schwer zu vermitteln, zumal Feldmann abermals versicherte, den Hausärzten gehe es keineswegs um eine Spaltung der KBV. Auf dieser Basis müsste doch eine inhaltliche Verständigung möglich sein. Selbst wenn diese zum Wohle des Ganzen gelänge, hätte die Spitzen­organisation aller Vertragsärzte freilich nicht automatisch einen konstruktiv miteinander arbeitenden Vorstand.

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 23. Dezember 2013, 11:04

Fachärztliche Dominanzgebärden und Supervision

Divergierende bis diametral entgegengesetzte Facharzt- und Hausarzt-Interessen werden die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bis in alle Zukunft prägen bzw. haben bis dato schon genug Unheil angerichtet. Unterschiedliche Vorstellungen prallten beim Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zwischen Regina Feldmann und Andreas Köhler am 8.11.2013 über die künftige Organisation aufeinander. In der VV war sogar bis zu Abwahlanträgen äußerst kontrovers gestritten worden, ob die KBV in hausärztliche und fachärztliche Bereiche aufzuspalten sei. Denn dies wurde von Kollegin Regina Feldmann gefordert.

Vorstellbar als drei Optionen. 1. Aufteilung von Kompetenzen und Zuständigkeiten i n n e r h a l b eines Geschäftsordnungsplans (interne Organisationsreform). 2. Getrennte, eigenständige Abteilungen mit Separierung durch Parallelstrukturen (interne Parallelisierung). 3. Auflösung von Altstrukturen und Neubeginn mit zwei voneinander räumlich und inhaltlich separierten Institutionen (externe Parallelisierung).

Tatsache ist und bleibt, dass es in der KBV-VV immer weniger echte "hausärztliche" Vertreter gibt. Alle Einzel-KVen, selbst unsere KVWL, sind Facharzt-dominiert, auch wenn KVWL-Vorstand und Kollege W.-A. Dryden FAfAM ist. Denn auch er ist in seine Funktionärs-Wahrnehmungs-und Beziehungsebene eingebunden und muss gleichzeitig Facharztinteressen erfüllen. Zum anderen verliert sich jeder Bezug zur eigenen Hausarztpraxis mit aufsteigendem Funktionärs- und Vertreter-Rang.

Der fundamentalistische Streit um die Deutungshoheit in KBV und KBV-VV entfernt sich immer weiter von der ursprünglich implementierten Interessenvertretung a l l e r Vertragsärztinnen und -Ärzte bzw. Psychotherapeuten. Das Haus der KBV brennt lichterloh und Haus- bzw. Fachärzte streiten sich darüber, wer vergessen hat, das Löschwasser mitzubringen? Da hilft nur eine interne und externe psychotherapeutisch fundierte Supervision!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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