Das lange Warten

Das lange Warten

In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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Das lange Warten

Im Ruhestand

Freitag, 21. Februar 2014

Paul Behrend ist seit Februar im Ruhestand. Das hat sein Leben enorm verändert: „Aus einem gefühl­tem 70-Stundentag ist jetzt ein 25-Stundentag geworden.“ Zwar müsse er natürlich immer noch regelmäßig zur Dialyse, aber die 40-Stunden-Arbeitswoche sei jetzt immerhin weggefallen. Seine Familie und seine Freunde hätten dementsprechend auch schon festgestellt: „Du siehst deutlich besser aus.“ Und das sei ihm auch selbst aufgefallen: „Die Augenringe sind etwas kleiner geworden, und ich mache einen entspannteren Eindruck.“

Zwar hat Behrend zunächst gezweifelt, ob er die richtige Entscheidung getroffen habe, als er sich für Altersteilzeit entschied. „Man fühlt sich schließlich noch jung, gut und funktionierend. Aber morgens aufzustehen und nicht mehr vor einem so anstrengenden Alltag zu stehen, das ist schon sehr angenehm und meinem Gesundheitszustand eigentlich auch angemessen.“

Dennoch bemühe er sich nach wie vor um einen strukturierten Tag. „Das heißt, ich stehe morgens mit meiner Frau auf, die ja nach wie vor berufstätig ist und suche mir jeden Tag meine Aufgaben. Aber ich habe Muße dabei. Ich lese zum Beispiel morgens die Zeitung eine Stunde länger. Ich habe auch schon mal einen Nachmittag, an dem ich mir beispielsweise Fahrräder anschaue, weil ich mir demnächst ein kaufen möchte. Das kam ja vorher in meinem Leben überhaupt nicht vor. Da habe ich nur nach der Uhr gelebt.“

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Dennoch sei die Zeit, die die Dialyse kostet, nicht zu unterschätzen. „Für mich ist das nicht so, dass ich dann sagen kann: So, das war’s jetzt, sondern das nimmt mich kräftemäßig sehr mit. Wenn ich mittags nach Hause gehe, muss ich mich eigentlich den Rest des Tages ausruhen.“ Er habe einen Mitpatienten, der häufig gesagt habe: „Eine Dialyse ist so anstrengend wie ein 12.000-Meterlauf.“ Darüber hätte Behrend früher gelacht, berichtet er. „Heute weiß ich, was er gemeint hat.“

Behrends Fazit seiner neuen Lebensphase fällt insgesamt positiv aus: „Mein Leben ist durch den Wegfall der Arbeit ein wenig leichter geworden.“

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