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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wikipedia: Fußnoten mit flüchtigen Sohlen

Montag, 10. März 2014

Wikipedia hat sich in den letzten Jahren zur weltweit größten Enzyklopädie entwickelt, die auch von Forschern eifrig genutzt wird. Schon vor neun Jahren gaben 17 Prozent der Nature-Autoren in einer Umfrage an, dass sie das Online-Lexikon mindestens einmal wöchentlich konsultieren. Seither dürfte die Frequenz weiter gestiegen sein. Nachwuchsärzte informieren sich einer anderen Untersuchung zufolge zu 70 Prozent auch über Wikipedia.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Trotz aller Kritik über interessensgesteuerte Einträge ist Wikipedia in der Regel zuverlässig. Zwar fand eine Untersuchung in 13 Prozent aller Artikel Fehler. Das ist allerdings angesichts der Fülle von Fakten unvermeidlich. Durch die Interventionsmöglichkeiten, die Wikipedia allen Nutzern ermöglicht, können sachliche Fehler – anders als in einem gedruckten Lexikon - korrigiert werden.

Andere Probleme entstehen, wenn Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten im Fußnotenapparat als Quelle genannt wird, wie dies immer häufiger der Fall ist. Wie M. Dylan Bould und Mitarbeiter vom Children’s Hospital of Eastern Ontario in Ottawa in einer Studie ermittelt haben (BMJ 2014; 348: g1585), finden sich Fußnotenbelege aus Wikipedia heute in den meisten wissenschaftlichen Journalen mit medizinischen Inhalten. Auch Nature, Science oder das BMJ tolerieren Wiki-Verweise.

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Meistens handelt es sich um Definitionen oder Beschreibungen, die aus Wikipedia übernommen werden. Auch historische Angaben oder Länderstatistiken werden häufig aufgegriffen. Das ist verständlich. Auch Wissenschaftler müssen ihre Zeit einteilen, und die Suche nach der Originalquelle für eine in der Einlei­tung erwähnte nebensächliche Information lohnt nicht immer den Aufwand. Wie häufig Quellen aus anderen Arbeiten übernommen werden, erkannte man früher an den vielen Schreibfehlern, die sich bei Quellen in anderen Sprachen durch die stille Post des Abschreibens ergeben. Seitdem aus Pubmed per copy&paste übertragen werden kann, sind sie seltener geworden.

Problematisch wird es, wenn Studienergebnisse, also Primärquellen, über die Tertiärquelle Wikipedia übernommen werden. Eine Gefahr besteht darin, dass Informationen bei Wikipedia flüchtig sind. Bei einer Überarbeitung eines Artikels, an der ja jeder teilnehmen kann, können Fakten auch wieder verschwinden. Sie bleiben dann zwar in der Versionsgeschichte recherchierbar. Der Aufwand sie dort zu finden, kann jedoch erheblich sein. Eine gezielte Suche bei Google führt dann oft schneller zur Quelle.

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