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Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die ärztlich tätige Krankenschwester soll noch unabhängiger werden

Freitag, 21. März 2014

Kürzlich schilderte ich die Funktion der ärztlich tätigen Krankenschwester (ATK) in einem Blogbeitrag. Im Regelfall müssen diese ATKs noch von einem Arzt entweder täglich via Visite kontrolliert oder zumindest pro forma juristisch von ihm überwacht werden. Ich selber arbeite auch im Mayo-Clinic-System mit einer zusammen und bespreche alle Fälle mit ihr.  

Angesichts des unterschiedlichen Kenntnis- und Ausbildungsstandes macht diese Kontrolle auch Sinn, denn während z.B. ein Kardiologe mindestens vier Jahre Grund-, gefolgt von vier Jahren Medizinstudium und sechs bis sieben Jahren fachärztliche Weiterbildung absolviert hat, hat eine
kardiologisch tätige Krankenschwester eben oft nur ihr vierjähriges Studium als Krankenschwester und drei weitere Jahre Studium, um eine ATK zu werden, abgeleistet. Es stehen sieben Jahre Ausbildung bei der kardiologischen ATK in diesem Fall 14 Jahre beim Kardiologen gegenüber. Es versteht sich von
selbst, dass viele Ärzte Qualitätsunterschiede aufgrund dieses unterschiedlichen Ausbildungs­standes zwischen ihnen und einer ATK sehen und daher es nicht wollen, wenn eine ATK ohne ärztliche Aufsicht arbeitet.

Nun herrscht aber seit Einführung der Reformen durch Obama - Stichwort "Obamacare" bzw. "Bezahlbares Gesundheitsgesetz" - ein stetig zunehmender Arztmangel bei immer weiter wachsendem Budgetdruck. Da man Ärzte nicht einfach über Nacht ausbilden kann und auch Immigration nur begrenzt hilft, sucht man händeringend nach Lösungen. Wieso also nicht einfach ATKs einstellen, ihre Ausbildung erleichtern (wie derzeit durch zunehmende Online ATK-Studiengänge versucht), und sie unabhängig von Ärzten arbeiten lassen? Da eine ATK darüberhinaus oft - je nach Fachgebiet - nur 20 bis 50 Prozent des ärztlichen Gehaltes bezieht, ist die Verlockung für Verwaltung und Regierung groß, eben diesen Schritt zu gehen und ATKs zunehmend einzusetzen: Kostenersparnis und Behebung des Arztmangels in einem.

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Jüngst hat nun das Gesundheitssystem der US-Soldaten und Veteranen, das Veteranensystem V.A., einen weitern Vorstoß in diese Richtung gemacht: http://www.usmedicine.com/agencies/department-of-veterans-affairs/possible-va-change-in-advanced-nursing-roles-sparks-heated-debate/. Dieses von der US-Regierung verwaltete Gesundheitswesen will ATKs unabhängig von Ärzten einsetzen und tritt besonders agressiv in der Rekrutierung von ATKs auf; der mittelfristige Plan ist, dass Ärzte nur noch in schwierigen Fällen eingesetzt werden. Natürlich hat das eine rege Diskussion angefacht, und viele Protestbriefe gehen beim VA-System ein. Doch wird es etwas nützen? Langfristig sehe ich den Arzt zunehmend durch ATKs ersetzt, ein unaufhaltsamer Prozess, wie es scheint.

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