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Wie traumatische Erlebnisse vererbt werden

Mittwoch, 30. April 2014

Extreme Stresserlebnisse können einen Menschen lebenslang erschüttern. Die Folge sind psychische Erkrankungen wie das posttraumatische Stresssyndrom, die auch die Angehörigen belasten. Manchmal werden die Lebensängste von einer Generation auf die nächste weitergereicht. Beispiele gibt es zuhauf. So leiden die Kinder von Menschen, die die Gräueltaten der Roten Khmer erlebt haben, heute vermehrt unter Depressionen. In Australien ist unter den Kindern von Vietnamveteranen die Suizidrate erhöht. Auch Mediziner beobachten, dass manche Erkrankungen wie bipolare Störungen häufig über Genera­tionen in Familien auftreten, ohne dass bisher ein dafür verantwortliches Gen gefunden wurde.

Die Schweizer Hirnforscherin Isabelle Mansuy hat die Vererbung von Stressschäden jetzt an Mäusen untersucht. Sie trennte die Muttertiere in unregelmäßigen Abständen von ihrem Wurf, und setzte sie Kältereizen oder Einschränkungen der Beweglichkeit aus. Der Stress übertrug sich auf den Nachwuchs. Die Jungtiere verloren ihre natürliche Scheu vor Licht und Wasser und begaben sich bei den Versuchen häufig in gefährliche Situationen. Auch der Stoffwechsel des Nachwuchses war beeinträchtigt: Insulin- und Blutzuckerspiegel waren niedriger als bei Jungtieren, deren Elterngeneration keinen Stress erfahren hatte.

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Bei der ersten Generation könnte man die Auswirkungen noch durch die häufige Trennung und die psychische Zerrüttung des Muttertiers erklären. Mansuy kann die Stressfolgen jedoch auch in der Enkelgeneration nachweisen, deren Mütter niemals gestresst wurden. Die Forscherin führt dies auf eine Veränderung kurzer RNA-Moleküle zurück, die von außen auf die Gene einwirken. Sie bestimmen beispielsweise, welche Gene angeschaltet werden und welche stumm bleiben.

Diese Micro-RNA konnte Mansuy in einer frühreren Studie in den Spermien der Mäuse nachweisen. Jetzt kann sie zeigen, dass der Stress der Mutter die Zusammensetzung der Micro-RNA bei ihren Söhnen verändert. In den Spermien fand die Forscherin eine Reihe von Micro-RNA, die sie bei den gestressten Müttern für die stressinduzierte Störung des Stoffwechsels verantwortlich macht.

Durch die Inkjektion der Micro-RNA in befruchtete Eizellen ließen sich die Verhaltensstörungen dann auf Mäuse übertragen, deren Mütter niemals gestresst wurden. Derzeit arbeiten Mansuy und ihr Team daran, die Rolle der kurzen RNAs in der Traumavererbung auch bei Menschen zu untersuchen. Da sie das Ungleichgewicht der Micro-RNAs bei Mäusen auch im Blut nachweisen konnten, sowohl bei der Eltern- als auch bei der ersten Nachwuchsgeneration, hoffen die Wissenschaftler, daraus einen Bluttest für die Diagnostik entwickeln zu können.

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