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Praxistest

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In seinem Studium wünscht sich so ziemlich jeder Student mehr Praxiserfahrung. Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland erst im praktischen Jahr und darauf muss man immerhin fünf Jahre warten. PJ hat diese Zeit hinter sich und schreibt von seinen täglichen Erfahrungen im Krankenhaus, die seine Fähigkeiten zwar immer wieder aufs Neue fordern, aber sonst auch kaum erzählenswert wären.

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Praxistest

Zuschauer unerwünscht

Montag, 28. April 2014

Heute war der Wurm drin. Gestern war ich noch lange wach und musste dementsprechend heute mit der Müdigkeit kämpfen. Und Müdigkeit bedeutet bei mir schlechte Laune. Wer kennt das nicht?

Die meiste Zeit auf der Intensivstation arbeite ich immerhin alleine und gehe dann auch niemandem auf die Nerven. Es gibt Momente, da stört mich das ein bisschen, weil ich eigentlich gern mit anderen Leuten zusammenarbeite. Daher gefällt mir wahrscheinlich auch das Operieren so sehr.

Für mich ist es auch deshalb angenehmer, weil man nicht sofort auf sich allein gestellt ist. Aber auf einer Intensivstation gibt es pro Patient viel mehr Arbeit als auf einer Normalstation und die wird oft allein gemacht wie zum Beispiel Verlegungsbriefe diktieren oder Fahrten ins CT. So kommt es oft vor, dass jeder Arzt in seiner Ecke arbeitet und vom anderen nichts mitkriegt. Als PJ‘ler bin ich dann meistens in einer dritten Ecke und untersuche die Patienten. Perfekt für diejenigen, die gern allein vor sich her schaffen.

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Heute hatte ich wieder so ein Erlebnis, wo mir das, was man heute auf Neudeutsch "Teamwork" nennt, eindeutig gefehlt hat. Nach der Mittagsbesprechung war bei einem Patienten noch ein Pleurakatheter zu legen. Um das nicht zu verpassen, wollte ich in der Nähe der Ärztin bleiben, die das machen sollte. Als diese sich jedoch bei ihrer Computerarbeit beobachtet und dadurch offensichtlich gestört fühlte, gab sie mir die Aufgabe, nach den Verbänden zu schauen und bei Bedarf zu wechseln oder Fäden zu ziehen. Sie würde mir schon Bescheid geben, wenn der Pleurakatheter drankommt.

Ich habe mir schon gedacht, dass das nicht klappen würde, aber man tut ja, was einem gesagt wird. Tatsächlich hatte eine Patientin ihre Fäden noch, und es war an der Zeit, sie zu ziehen. Murphys Law kam mir sofort in den Kopf… Die beste Routine habe ich leider noch nicht beim Fadenziehen und entsprechend stellte ich mich auf eine längere Arbeit ein.

Aus innerem Protest wollte ich auch jene Ärztin nicht um Hilfe bitten. Nachdem das Pflaster dann ab war, kam auf der Innenseite ein gelber Fleck zum Vorschein, die Krankenschwester meinte, dass das Liquor sei, und ich wollte das einem Arzt zeigen, damit er sich auch ein Urteil darüber machen kann. Also lief ich ins Arztzimmer, besagte Ärztin hatte aber keine Zeit, ich solle einen anderen Arzt fragen. Andere Ärzte waren aber nicht zu finden, so ging ich ratlos zurück. Nach einer Weile kam endlich der zweite Stationsarzt und warf ein Auge auf die Wunde. Es wäre nicht schlimm und ich konnte weitermachen, eine fundierte Meinung nach zehn Sekunden bei zehn Minuten Wartezeit.

Als ich dann mit dem Verband fertig war und aufgeräumt hatte, schaute ich nach dem Patienten, der den Pleurakatheter brauchte. Wie erwartet war alles schon fast vorbei, ohne dass mich jemand gerufen hatte. Was für eine Ernüchterung.

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