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Studierender Blick

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Medizin studieren im Alltag - zwischen universitärem Leben und der (Un)Gewissheit über Zukunftsperspektiven. Hormos Dafsari debattiert, was sich in den Köpfen der Zukunft abspielen mag, auch wenn es mal herkömmlicher Natur ist.

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Studierender Blick

Wie bekommen wir bessere Ärzte?

Freitag, 2. Mai 2014

Jetzt werden in NRW wieder munter die Zentralen Abiturprüfungen geschrieben, Tausende von Schülern trauen sich in große Klassenzimmer mit dem Bewusstsein: ein letztes Mal noch. Auch wenn wir heute unseren Schwestern, Töchter oder Enkelinnen Mut machen, wissen alle das Unausgesprochene – diese Abiturprüfungen entscheiden oft über das Wohlergehen in den künftigen Jahren.

Wieso tun sie das? Mit der aktuellen Flut an G8-Jahrgängen ist der Numerus clausus an den allermeisten Universitäten hoch geschnellt. Die Abiturnote wird an summativen (Klausuren) und formativen (mündliche Noten) Prüfungen bemessen, denn nur so kann die Konstanz in Leistungen garantiert werden. Unser Schulsystem tut gut daran, formatives Feedback aufrecht zu erhalten, anders könnten wir pädagogische Maßnahmen nicht sinnvoll implementieren.

Nun spulen wir einige Monate vor, unsere Schulabsolventen bewerben sich auf die Studienplätze, beispielsweise in Medizin. Spätestens hier verlieren wir eine nicht zu verschweigende Zahl an potenziell künftigen Ärzten. Es bewerben sich zwar viele Absolventen direkt nach ihrem Abitur, einige wenige jedoch leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr, bereisen die Welt und leben neue Erfahrungen "bis die Zeit anhält".

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Dieses unebene Bild an Studieninteressierten verleiht oft zu der Fragestellung: Wie bekommen wir bessere Ärzte?

In dieser Fragestellung werden unsere Schulabsolventen als Rohmaterial angesehen, welche abgefangen und in ein sechsjähriges Studium geschleust werden sollen.

Ich möchte mit diesem Blog-Eintrag eben dieser Frage den Nimbus rauben. Wir können nicht bemessen, welche Vita zu einem besseren Arzt führt, noch können wir diese als Anfangspunkt für weitere Debatten festlegen. Angenommen unsere Schulabsolventen hatten die Chance, über zwei Jahre hinweg konstanten Lernerfolg zu zeigen, wie bemisst man die Zeit zwischen Schule und Studium? Wie bemisst man soziales Engagement während der Schulzeit? 

Ich behaupte, dass wir in unserer Debatte derzeit das Pferd von hinten aufzäumen. Das Problem fällt uns erst auf, wenn „gute Schüler“ nicht zum Studium zugelassen werden. Wir sollten jedoch deutlich früher an der Feinregelung ansetzen.

Wir haben vergessen, dass Medizin letzten Endes nur eine angewandte Naturwissenschaft ist. Ganz egal wie die Zukunft aussehen mag, das Studium führt ultimativ zu einer ärztlichen Approbation. Es ist der Ärztin oder dem Arzt dann vorbehalten zu entscheiden, ob er in die biomedizinische Forschung oder Landarztpraxis gehen möchte. Ich möchte auch behaupten, dass in beider dieser Extrema soziales Interesse gefordert ist. Unsere Oberärzte und Chefärzte sind oft das beste Beispiel dafür, dass erst eine Mischung aus sozialem Interesse und wissenschaftlicher Hingabe zu einer Leitungs- und Entscheidungsfunktion führt.  

Nun verfehlen wir unsere Schüler in dem Gewissen, dass sie nur über eine Mischung aus summativen und formativen Leistungsprüfungen ihre Zulassung zum Studium erreichen. Unsere Schüler werden auf Erfolg getrimmt, wenngleich sie den Sinnwert davon nicht vollständig begriffen haben. Die einzige Art um soziales Interesse zu zeigen ist über das formative Feedback (mündliche Noten), welche von viel zu vielen Lehrern als bloßes Vorlesen von Hausaufgaben oder dem Lösen von Gleichungen an der Tafel missverstanden wird.

Es führt letztlich dazu, dass wir Studierende selektieren, die lieber ihre Zeit in akademischen Erfolg investieren, statt ihrem persönlichen Entwicklung zu folgen. Es gibt immer weniger soziales Engagement auch während des Studiums, die Ehrenämter bleiben leer und unsere künftige Ärzte werden indirekt einer Erfahrung beraubt, die sie hätte leben lassen können "bis die Zeit anhält“.

Vielleicht sollten wir eine andere Frage stellen: Wie fördern wir bessere Ärzte?

Leserkommentare

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Avatar #5817
Wiegand
am Samstag, 26. Juli 2014, 09:28

@bösmensch - Persönlichkeitsstörungen

finden Sie in erheblich grösseren Maße in politischen "Berufen" - wenn man da überhaupt von einem Beruf sprechen kann, denn die haben nicht einmal eine Qualifikation (vorzuweisen).

P. Bamm: "Was der liebe Gott vom Gelde hält, kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt." oder "Geld verdirbt den Charakter"
Avatar #5817
Wiegand
am Samstag, 26. Juli 2014, 09:22

Geld ist nicht alles aber es ist betriebswirtschaftlich notwendig und

Geld ist der Maßstab für den Wert einer Tätigkeit schlechthin. Das Problem ist nicht so sehr mangelnde Intelligenz oder mengelnder Leistungswille einer Generation sondern fehlende Wertschätzung ärztlicher Arbeit gepaart mit wirtschaftlichen Zwängen und enormem Haftungszwang. Von wegen "ich bin doch nicht blöd!" - in der Medizin funktioniert die Geiz-ist-geil-Mentalität genau so wenig wie in jedem anderen, nicht globalisierten und daher nicht auf dem Rücken anderer erwirtschafteten - mittelständischen, Beschäftigungsfeld.
Für 14€ oder 30€ Quartalsumsatz ist WANZ Pflicht! Das bedeutet eben flächendeckende Basisversorgung und eben nicht TOP-Medizin. Altruismus endet oft schon bei den Gehaltsforderungen der eigenen Mitarbeiter und muss spätestens beim Finanzamt zu Gunsten eines zentral gesteuerten und wirtschaftlich motivierten EBM/DMP-optimierten medizinisch sinnlosen Follow-Up-Prophylaxe-QM-durchgequirlten Einheitsquarks vergessen werden.

GW - Privatpraxis & unabhängig
Avatar #669140
Danoelmeia
am Mittwoch, 7. Mai 2014, 20:55

Geld ist nicht alles

Meiner Meinung nach ist die Schulnote das einzige etablierte Instrument, das in Deutschland fähig ist, Menschen zu finden, die willig sind, Leistung zu bringen. Tatsächlich macht es das Medizinstudium den Studenten sehr einfach, durch stures Auswendiglernen eine gute Note zu erzielen.
Ich weiß vom Medizinstudium in Ungarn, dass es dort deutlich mehr mündliche Prüfungen gibt, auch für die Deutschen vor Ort, die über die Abiturnote keinen Platz in Deutschland gefunden haben. Da würden viele mit ihrem Auswendiggelerntem schnell an ihre Grenzen kommen, aber es würde auch meiner Meinung nach nicht zu sozialeren Menschen führen.
Die Gesellschaft wünscht sich doch Ärzte, die keine Fehler machen und ob sie soziale Fertigkeiten besitzen ist sicher nicht so wichtig. Deswegen gibt es doch auch so viele Anwälte, damit jeder Fehler in Rechenschaft gezogen werden kann. Und da ist bekanntlich viel Geld im Spiel.
Avatar #96115
ralf.schrader
am Dienstag, 6. Mai 2014, 04:50

Heilkunst

Medizin ist Heilkunst, welche auf Wissenschaft fusst. Selbst ist Medizin (noch) keine Wissenschaft und Ärzte sind, bis auf Ausnahmen im Promillebereich keine Wissenschaftler.
Elektriker handeln ebenfalls auf der Grundlage von Wissenschaft, ohne die jedoch genauer kennen zu müssen. Ein guter Arzt kann man wahrscheinlich auch ohne Abitur werden. Folglich sollte die Abiturnote nur geringen Einfluss auf die Zulassung zum Medizinstudium haben.
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