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Junges Blut macht alte Mäuse klüger

Montag, 5. Mai 2014

Enthält das Blut junger Individuen den Schlüssel gegen das Altern? US-Forscher haben in Experimenten an Mäusen, deren Übertragung auf den Menschen makabre Phantasien weckt, eine Jahrhunderte alte Hypothese überprüft – und bestätigt: Der Blutaustausch mit einem Jungtier hat bei älteren Mäusen tatsächlich Altersvorgänge im Gehirn nicht nur aufgehalten, sondern umgekehrt. Die Behandlung steigerte die Lernfähigkeit der Tiere.

Bei einem bereits in den 1950er Jahren durchgeführten Experiment, heterochronische Parabiose genannt, werden die Blutkreisläufe von zwei Tieren miteinander verbunden. Das Blut des jungen gelangt dann in Organismus des älteren Tieres und umgekehrt. In den letzten Jahren konnten verschiedene Forscherteams zeigen, dass diese „Verjüngungskur“ die Stammzellfunktion in Muskulatur, Leber, Rückenmark und Gehirn fördern und die Funktion des Herzmuskels verbessern kann. Auf der anderen Seite schien sich die Organfunktion des jüngeren Tieres unter der Einwirkung des älteren Blutes (oder des Mangels an eigenem jungen Blut) zu verschlechtern.

Jetzt hat das Team um Tony Wyss-Coray von der Stanford Universität die Auswirkungen der heterochronischen Parabiose auf das Gehirn der älteren Tiere untersucht. Im Hippocampus, einer zentralen Schaltstation des Gedächtnisses, fanden die Forscher nach dem Abschluss der Behandlung Zeichen einer vermehrten Plastizität, die auf eine verbesserte Lernfähigkeit hindeutete: Bestimmte Gene wurden aktiviert und neue Nervenverbindungen geschaffen.

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In einem weiteren Experiment erhielten ältere Tiere regelmäßig Plasmatransfusionen jüngerer Tiere. Danach mussten sie typische Lerntests für Mäuse bestehen. So mussten sie eine unter Wasser gelegene Plattform finden, oder Stromstöße in einem Käfig vermeiden. Auch hier begriffen die älteren Tiere nach den Bluttransfusionen schneller.

Auf den Menschen übertragbar sind die Experimente sicherlich nicht. Eine Parabiose eignet sich allenfalls als Plot für einen Horrorfilm und Bluttransfusionen als Verjüngungskur für ältere Menschen dürften kaum umsetzbar sein, einmal abgesehen davon, dass Bluttransfusionen wegen der Immunreaktionen mit Nachteilen für die Gesundheit verbunden sind (und in jüngsten Studien das Sterberisiko erhöht haben).

Die Forscher suchen deshalb nach den Faktoren im Blut, die für die Verjüngung verantwortlich sein könnten. Sie vermuten, dass es sich um Proteine handelt. Denn die günstigen Effekte blieben aus, wenn das Plasma vor der Transfusion kurz erhitzt wurde, was die Eiweiße denaturiert.

Welche Faktoren für die Wirkung verantwortlich sind, ist unklar. Die Effekte scheinen aber im Gehirn über das Protein Creb (cyclic AMP response element binding protein) vermittelt zu werden. Diese Entdeckung eröffnet die Möglichkeit, gezielt nach Molekülen zu suchen, die die Aktivität von Creb fördern. Ein solcher Wirkstoff könnte dann zunächst im Labor und dann im Tiermodell auf seine Wirksamkeit gegen degenerative Erkrankungen hin untersucht werden.

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