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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Typ 2-Diabetes: Zwei Mahlzeiten besser als sechs

Mittwoch, 21. Mai 2014

 „Am Morgen sollst Du wie ein Kaiser speisen, zu Mittag wie ein König, abends wie ein Bettler“, lautet eine alte Lebensweisheit, von der Ernährungsexperten Diabetikern bisher streng abgeraten haben. Opulente Mahlzeiten würden die Beta-Zellen im Pankreas überlasten, die aufgrund der Insulinresistenz ohnehin auf Hochtouren laufen. Die Maxime der Diabetologen lautet: Eher viele kleine, statt wenige große Mahlzeiten. Zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendbrot sollen die Patienten kleine „Snacks“ einlegen, auch um postprandiale Hypoglykämien zu vermeiden.

Doch es gibt auch Argumente gegen die Sechs-Mahlzeiten-am-Tag-Devise. Neben der Gefahr, dass die Diabetiker dabei mehr Gelegenheiten haben für kleine „Ernährungssünden“ zwischendurch, könnte die regelmäßige Kalorienzufuhr den Stoffwechsel „träge“ machen, der natürliche Wechsel zwischen Energiespeicherung und -bereitstellung könnte „verlernt“ werden.

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Hana Kahleova vom Institut für klinische und experimentelle Medizin in Prag und Mitarbeiter haben jetzt beide Konzepte in einer Diätstudie an Typ 2-Diabetikern verglichen. Alle 54 Teilnehmer waren übergewichtig (Body Mass Index 27 bis 50!). Sie wurden für ein halbes Jahr auf eine Reduktionsdiät gesetzt. In einer Hälfte der Zeit wurden die Kalorien, wie allgemein empfohlen, auf sechs Mahlzeiten am Tag verteilt, in den anderen drei Monaten bekamen die Teilnehmer nur ein Früchstück und ein Mittagessen.

Danach mussten sie bis zum nächsten Morgen hungern. Dieses intermittierende Fasten verstärkte nicht nur die Gewichtsreduktion. Die Teilnehmer nahmen 3,7 ab gegenüber 2,3 Kilo während der Vergleichszeit. Die Leberverfettung bildete sich stärker zurück und der Glukosestoffwechsel verbesserte sich. Ein niedrigerer Nüchternblutzucker bei verminderten C-Peptidwerten zeigte eine verbesserte Insulinwirkung an. Auch die Konzentration von Glucagon (das vor allem in der Leber die Glukosereserven mobilisiert) wurde vermindert.

Eine Studie allein wird die Ernährungskonzepte bei Diabetikern nicht umstoßen. Typ 2-Diabetiker sollten die 2-Mahlzeiten-Diät besser nicht ohne ärztliche Begleitung durchführen (vor allem wenn sie bereits Insulin spritzen). Für gesunde übergewichtige Menschen könnte sie einen Versuch wert sein. Wie bei allen Diäten gilt allerdings, dass eine Wirkung nur zu erwarten ist, wenn die Umstellung auf Dauer betrieben wird.

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