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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Hamsterrad US-Medizinstudium

Freitag, 16. Mai 2014

Museumsnacht in Minneapolis-St. Paul, ganz amerikanisch die Verquickung von Konsum, Spaß, Leichtigkeit und Wissenschaft mit Betonung des Unernsten: Im städtischen Naturwissenschaftsmuseum ("Science Museum of Minnesota") wurden an einer speziellen Nacht die Pforten aufgemacht, und es gab kleine Bierproben von je circa 100 ml (drei US-Flüssigunzen, wer es genau wissen will) zehn Mal insgesamt zu verköstigen, dazwischen schaute man sich auf fünf Etagen alles Mögliche zum Thema Naturwissenschaften an und machte selber kleine Experimente wie Windräder auf- und anszutellen, verschiedene Bakterien zu mikroskopieren oder Kurzvorträge mit praktischer Vorführung des Hefevorgangs anzuschauen. Ein Freund und Arztkollege hatte mich hierzu eingeladen.

Die Themen wechselten rasch hin und her, schienen ernster zu werden mit Fortschreiten des Bierkonsums. Dann brach es aus meinem Kollegen, verheiratet, mit zwei Kindern gesegnet, heraus: Wir besprachen was für Amerikaner oft das Wichtigste ist, das Geld: Seine Frau (Soziologiediplom) und er seien hochverschuldet, trotz seines ärztlichen Jahresgehaltes von knapp $200.000 US-Dollar fühle er sich wie in einem Hamsterrad. 

Ihre Studiumsschulden gemeinsam ergäben knapp $300.000, neben der Hypothek von $200.000 wären große Sprünge unmöglich, und er würde um jede Extraschicht buhlen, in der Hoffnung mit 50 endlich schuldenfrei zu sein. Das alles sagte er mir nach der siebten Dreiunzebier, er 32 Jahre alt und gesund, aber angesichts seines schmächtigen Körperbaus schon halb betrunken - später war es ihm offensichtlich peinlich, dass er die sonst übliche Minnesota-Contenance für kurze Zeit verloren hatte.

Zum Glück gab es noch weitere Bierstände, und wir tranken noch unsere letzten Bierproben zu Ende ehe es nach unwichtigem Geschwätz endlich nach Hause ging. Aber mein Kollege hat recht: Der durchschnittliche Medizinstudent ist hochverschuldet nach seinem Studium mit knapp $170.000 (http://www.ama-assn.org//ama/pub/about-ama/our-people/member-groups-sections/medical-student-section/advocacy-policy/medical-student-debt/background.page), und es dauert viele, viele Jahre ehe der Arzt sich aus dieser Schuldenfalle, diesem Hamsterrad, befreit hat.

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Avatar #110852
ediestel
am Samstag, 4. Oktober 2014, 06:01

Es kann noch schlimmer kommen

Kuerzlich las ich von einer neuen Entwicklung: wer mit 65 Jahren seine Studienschulden noch nicht beglichen hat, muss ggf seine Pension zT für das Abgleiche seiner Schulden verwenden.

Zu diesem Zustand kann es kommen, wenn man durch Zeiten des Erwerbsausfalls in Verzug gerät.

Avatar #101839
Threshold
am Dienstag, 3. Juni 2014, 16:34

Karriereleiter?

Ja, es stimmt. Von innen betrachtet sieht ein Hamsterrad wie eine Karriereleiter aus. ^^
Avatar #660558
salke
am Mittwoch, 28. Mai 2014, 16:21

In (den meisten) anderen Ländern ist Bildung Luxus

Und wie hoch sind die Studiengebühren in Europa? Nicht einmal wenn ich die Studiengebühren und sämtliche Kosten für Wohnung, Verpflegung, Bücher etc. addiere komme ich auf die Kosten eines vier jährigen Medizinstudiums in den USA. Wer könnte sich hierzulande erlauben beide Kinder Medizin studieren zu lassen, wenn hier die gleichen Bedingungen herrschen würden?
P.D. Vielen Dank dass Sie Ihre Gedanken mit uns teilen. Ich folge Ihrem Blog begeistert seit über einem Jahr.
LNS
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