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Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Weshalb Spanien Weltmeister wird

Freitag, 13. Juni 2014

Was Ärzte häufig als „Öko­nomi­sierung“ ihres Berufs beklagen, nennen Ökonomen neuerdings „Vermarktlichung“. „Unter Vermarktlichung versteht man dabei eine Zunahme der Abhängigkeit gesellschaftlicher Teilbereiche vom ökonomischen System sowie die Ersetzung bereichsspezifischer durch ökonomische Rationalitätskriterien“, schreiben der Ökonom Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und die Soziologen Jürgen Gerhards (FU Berlin) und Michael Mutz (Uni Göttingen). Tatsächlich nennen die Wissenschaftler an erster Stelle die Medizin, dann das Bildungssystem und die Forschung als Lebensbereiche, in denen sich das Denken und Entscheiden in ökonomischen Kategorien breitmacht. Aus aktuellem Anlass befassen sich die Forscher aber mit dem Spitzensport, dem Fußball. In einem achtseitigen Aufsatz http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.466090.de/14-24-4.pdf haben sie eine Prognose für den Ausgang der Fußballweltmeisterschaft erstellt.

Diese stützen sie auf eine ebenso simple wie plausible Hypothese: „Der Marktwert-Methode liegt die Überlegung zugrunde, dass sich die Spielstärke von Fußballteams heutzutage gut in Geldwerten ausdrücken lässt, wodurch Prognosen einfach werden.“ Das ist folgerichtig. Schließlich ist „Pay for Performance“ – die Vision mancher Ökonomen (und der großen Koalition) für das Gesundheitswesen – im Profifußball seit Jahren Realität. Bei Bundesligaklubs wie Bayern München oder Borussia Dortmund, die Kapitalgesellschaften sind, stehen die Spieler mit ihrem Marktwert als „immaterielle Vermögensgegenstände“ in der Bilanz. Vielleicht folgen Klinikkonzerne bei ihren ärztlichen Leistungsträgern bald diesem Vorbild, wenn sich der Ärztemangel weiter verschärft! Ob sich dann der Marktwert ärztlicher Stars dann auch auf einer Website wie www.transfermarkt.de ablesen lässt, der die Wissenschaftler die Marktwerte der einzelnen Spieler entnommen haben?

Jedenfalls hat sich die Marktwert-Hypothese nach Angaben der Autoren bewährt: 2006 und 2010 wurden die Nationalteams mit den höchsten Marktwerten (Italien und Spanien) Weltmeister, und Spanien als teuerste Mannschaft gewann 2008 und 2012 die Europameisterschaft. Und in diesem Jahr? Halten sich die Teams an das Prinzip „Geld schießt Tore“, lautet das Finale Deutschland (526 Millionen Euro Marktwert des WM-Aufgebots) gegen Spanien (622 Millionen Euro). Wer nach wissenschaftlicher Prognose mutmaßlich als Sieger vom Platz geht, soll hier gar nicht ausgesprochen werden.

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Hoffnung machen die Autoren nur, indem sie als echte Wissenschaftler ihre eigene Prognose gleich wieder relativieren: „Anders als bei der letzten Weltmeisterschaft hat Spanien diesmal nur einen kleinen Marktwertvorteil, so dass man eher von fünf favorisierten Mannschaften ausgehen sollte.“ Gemeint sind neben Spanien und Deutschland Gastgeber Brasilien (467,5 Millionen Euro), Argentinien (391,5 Millionen Euro) und Frankreich (379,5 Millionen Euro). Auf jeden Fall richtig liegen die wissenschaftlich tätigen Fußballfans mit der Überschrift ihres Aufsatzes „Spannung bis zum Abpfiff“. Und auf die besondere Bedeutung von Schiedsrichter-Fehlentscheidungen haben sie auch hingewiesen, obwohl das Eröffnungsspiel noch gar nicht angepfiffen war.

P.S.: Der Autor dieser Zeilen ist Fußballfan und Ökonom, tippt aber auf Brasilien.

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Avatar #30484
claudiemma
am Donnerstag, 19. Juni 2014, 13:24

:-)

Da haben sich die Herren Ökonomen aber ganz schön verrechnet....
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