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Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Wenn Krankenhäuser und Praxen in die Jahre kommen

Mittwoch, 2. Juli 2014

Ein Patient, der sich beim Betreten einer Arztpraxis fragen, ob das Mobiliar aus den Siebzigerjahren stammt oder vielleicht noch älter ist, mag auch bezweifeln, dass die Medizingeräte auf modernem Stand sind. Bei so manchem Krankenhaus legt die bauliche Ausstattung ähnliche Zweifel nahe. Das Erscheinungsbild vieler Schulen und Hochschulen ist ähnlich trostlos. Dass solche subjektiven Befunde eine objektive Grundlage haben, bestätigen nun die Ökonomen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Forscher diagnostizieren im Euroraum eine jährliche Investitionslücke 180 Milliarden Euro(http://www.diw.de/sixcms/detail.php/469130 ). In durchweg allen EU-Ländern werde zu wenig in Bauten und Geräte investieren, schreiben sie. Nicht nur die von der Bankenkrise geschüttelten südeuropäischen Länder, ganz Europa benötige mehr Investitionen.

Die Wissenschaftler haben die Investitionsintensität einzelner Sektoren der EU in den Jahren 1999 bis 2007 mit der anderer westlicher Industriestaaten (USA, Kanada, Japan) verglichen. Und siehe da: In zwei Sektoren besteht der größte Rückstand – in der Bildung und im Gesundheitswesen. Für Deutschland ist der Befund nicht neu: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft weist immer wieder auf den Investitionsstau in den Kliniken hin. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte schon vor einem Jahr von einem besorgniserregenden Rückgang der Investitionen je Praxis berichtet: von durchschnittlich 14 855 Euro im Jahr 2006 auf 11 694 Euro vier Jahre später (http://www.aerzteblatt.de/archiv/142622/Niedergelassene-Aerzte-Wie-der-Investitionsstau-in-den-Praxen-aufzuloesen-ist?src=search).

Weil die stark regulierten Sektoren Bildung und Gesundheit besonders große Investitionsrückstände aufweisen, empfehlen die Ökonomen vom DIW eine Deregulierung. Man kann das erweitern: Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass die Infrastruktur im Gesundheitswesen nicht verfällt. Und dafür, dass es sich lohnt, in die eigene Praxis zu investieren. Die Gesellschaft altert, das Gesundheitswesen sollte modern bleiben.

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