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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Hirnblutung durch Headbanging

Freitag, 4. Juli 2014

Dass Mütter ihre Babys nicht schütteln sollen, ist bekannt. Die heftigen Schleuderbewegungen des Kopfes können beim Säugling schnell zu subduralen Blutungen führen. Das Shaken baby syndrome gilt als häufigste Todesursache bei körperlicher Kindesmisshandlung. Doch auch Hardrock-Fans leben gefährlich, wenn sie zum Headbanging neigen.

Der schnelle Wechsel von Flexion und Extension an der Halswirbelsäule, mit denen sich die Fans in Ekstase versetzen, wurde in der Vergangenheit bereits mit Dissektion der Arteria carotis, Mediastinal­emphysem, Schleudertrauma und Halswirbelfraktur in Verbindung gebracht. Unfallforscher warnen davor, dass bei schnellen Liedern und Kopfbewegungen von mehr als 70 Grad schnell ein Head Injury Criterion von 1000 überschritten wird, das bei Crashtestversuchen von Verkehrsunfällen als Grenzwert betrachtet wird (BMJ 2008; 337: a2825).  

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Die Risiken dürften allerdings den Fans von Hardrock-Musik nicht bekannt sein, die die Qualität der Musik häufig nach der Geschwindigkeit des Rhythmus beurteilen. Je schneller, desto besser, lautet das Kriterium, und die britische Musikgruppe Motörhead gehört hier zu den härtesten. Ihre Songs erreichen Frequenzen von 200 Beats pro Minute, wodurch das Headbanging für die Fans, die mit der Band langsam in die Jahre kommen, leicht zur Schwerstarbeit wird. An der Medizinischen Hochschule Hannover stellte sich ein 50-jähriger Fan vier Wochen nach einem Konzert von Motorhead wegen seit zwei Wochen konstanter Kopfschmerzen mit zunehmender Intensität vor.

Die CT-Aufnahme zeigte ein subdurales Hämatom mit einer maximalen Ausdehnung von 20 Millimetern, das über eine Trepanation evakuiert werden musste. Das Neurochirurgenteam um Pirayesh Islamian vermutet, dass das Headbanging zur Ruptur einer Brückenvene geführt hat. In der Literatur seien zwei ähnliche Fälle berichtet worden, in einem dritten Fall kam es sogar zu einer tödlichen Blutung ins Gehirn.

Ein prädisponierender Faktor könnte bei dem Patienten eine Arachnoidalzyste gewesen sein, die 2 Monate später bei einer Nachuntersuchung entdeckt wurde. Arachnoidalzysten sind normalerweise harmlos. Das Rupturrisiko wird auf weniger als 0,1 Prozent pro Jahr geschätzt. Bei einem Trauma können sie jedoch Ausgangspunkt einer Blutung werden. Die Läsionen werden mit steigender Auflösung von Computer- oder Kernspintomographie immer häufiger gefunden. Bei einer Musterung der deutschen Luftwaffe lagen sie bei 1,7 Prozent der Anwärter vor (J Neurol Sci. 240; 1: 81-84).

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