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Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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95 Prozent krankenversichert und die Folgen

Montag, 14. Juli 2014

Mehr als 95 Prozent aller Bürger in Minnesota besaßen im Jahr 2014 eine Kran­ken­ver­siche­rung, Tendenz steigend. Zwar lag historisch gesehen die Quote der Nichtversicherten in diesem eher sozial regierten Bundesstaat im nationalen Vergleich schon seit Jahren bei niedrigen 8 oder 9 Prozent, aber durch die Ausweitung des Medicaid- und MinnesotaCare-Versicherungsprogrammes, so wie den neuen, subventionierten Kran­ken­ver­siche­rungsmöglichkeiten seites des Obamacare, konnte eben eine neue Rekordmarke im Frühjahr 2014 erreicht werden: 95,1 Prozent sind nun krankenversichert.

Von dieser Ausweitung profitieren ärmere ländliche Gegenden, aber vor allem die zunehmenden Zahlen an Minderheiten, hierunter vor allem Latinos und Afroamerikaner. Viele Ärzte freuen sich über diesen Trend, aber auch die Medien – so brachte zum Beispiel die regionale Tageszeitung Star Tribune einen ganzseitigen Artikel auf ihrer Titelseite zu diesem Thema: „95 Prozent aller Minnesotaner sind nun krankenversichert” (http://www.startribune.com/business/262726381.html).

Doch wer soll das bezahlen? Fakt ist, wie wir Deutsche mit den stetig steigenden Steuersätzen und Staatsschulden wissen, dass Staatsleistungen auch finanziert werden müssen. Entsprechend hat nun Minnesota seine Bundesstaatseinkommenssteuer erhöht. Als Hintergrund: Jeder in USA lebende Bürger muss eine nationale Einkommenssteuer abführen, die im höchsten Fall 39,6 Prozent beträgt – Präsident Obama hat übrigens diese Steuersätze vor knapp zwei Jahren erhöht – und in sieben Steuersatzkategorien von 10 bis 39,6 Prozent gestaffelt sind.

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Die meisten Bundesstaaten erheben ebenfalls eine Einkommenssteuer, die zusätzlich zur nationalstaatlichen Einkommenssteuer zu entrichten ist. Seit der 2014 eingeführten Steuererhöhung hat Minnesota nun eines der höchsten Sätze und erhebt als Minimum 5,35 Prozent auf jeden verdienten Dollar und im Maximalfall, ab Jahreseinkünften von über 152.540 US-Dollar, 9,85 Prozent Einkommenssteuer bei ledigen Arbeitnehmern (http://www.house.leg.state.mn.us/hrd/pubs/ss/ssindinc.pdf).

Somit ist Minnesota nicht nur eines der führenden Bundesstaaten bei der Krankenversichertenquote, sondern eben auch bei der bundesstaatlichen Einkommenssteuer. Hiervon war aber in den Medien nichts zu hören als all die neuen Krankenversicherte gefeiert wurden.

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