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Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Bei den Gehältern liegt das Gesundheitswesen ziemlich weit hinten

Dienstag, 19. August 2014

Jeder achte Beschäftigte in Deutschland arbeitet im Gesundheitswesen. Das sind 5,2 Millionen Menschen, 1,1 Millionen allein in den Krankenhäusern und 700.000 in den Arztpraxen. Das Statistische Bundesamt erhebt diese Zahlen regelmäßig seit dem Jahr 2000, aber im allgemeinen Bewusstsein verankert sind sie längst noch nicht. Ansonsten wäre in Politik und Medien nicht vornehmlich von der Automobilindustrie (weniger als 800.000 Beschäftigte) oder dem Maschinenbau (rund eine Million) die Rede, wenn es um die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen geht.

Für die Industrie wie für das Gesundheitswesen gilt: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss auch vernünftige Einkommen bieten. Was tatsächlich in den einzelnen Wirtschaftszweigen gezahlt wird, hat jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untersucht. Ein Ergebnis dürfte nicht überraschen: Es gibt erhebliche Einkommensunterschiede zwischen den Branchen.

Während der durchschnittliche Bruttostundenlohn in der Pharmaindustrie 2013 bei 31,79 Euro lag, wurden im Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken, Praxen sonstiger medizinischer Berufe u.a.) 23,13 Euro gezahlt. Das wiederum ist deutlich mehr als die 17,69 Euro, die Beschäftigte in Heimen (ohne Erholungs- und Ferienheimen) pro Stunde bekommen. Noch etwas weniger (17,58 Euro) wird im Sozialwesen gezahlt. Es handelt sich um Arbeitnehmerentgelte für Vollzeitbeschäftigte, das DIW leistet also keinen Diskussionsbeitrag zu anstehenden Vergütungsverhandlungen bei den Vertragsärzten.

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Die Zahlen zu den Einkommen pro Stunde verändern sich, wenn unterstellt wird, dass die Anteile höherwertiger und einfacher Tätigkeiten überall gleich sind, aber die Unterscheide bleiben groß. Das Gesundheitswesen rangiert beim Stundenlohn im hinteren Mittelfeld der Wirtschaftszweige, knapp hinter der Rechts- und Steuerberatung und den Bekleidungsherstellern, aber vor dem Baugewerbe.

Die Ökonomen haben der Lohnentwicklung die Steigerung der Wirtschaftsleistung gegenübergestellt und kommen zu dem Ergebnis, dass in bedeutenden Industriezweigen die Lohnentwicklung hinterher­hinkt. Dieser Befund gilt bemerkenswerterweise auch für das Gesundheitswesen. Hier stieg die Bruttowertschöpfung von 2003 bis 2011 jahresdurchschnittlich um 2,95 Prozent, die Gehälter wurden aber nur um 2,64 Prozent angehoben.

Der vorhandene Verteilungsspielraum sei nicht ausgeschöpft worden, konstatiert das DIW. Noch stärker zeigte sich das im Bereich „Heime und Sozialwesen“, wo die Löhne um 0,9 Prozentpunkte hinter der erbrachten Leistung herhinkten. Wie passt das zu der allerhöchsten Anerkennung, die den in Gesundheitswesen und Pflege Arbeitenden in Reden regelmäßig zuteil wird? 

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