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In seinem Studium wünscht sich so ziemlich jeder Student mehr Praxiserfahrung. Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland erst im praktischen Jahr und darauf muss man immerhin fünf Jahre warten. PJ hat diese Zeit hinter sich und schreibt von seinen täglichen Erfahrungen im Krankenhaus, die seine Fähigkeiten zwar immer wieder aufs Neue fordern, aber sonst auch kaum erzählenswert wären.

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Anästhesie: Eine neue Herausforderung

Montag, 1. September 2014

Nach Monaten in der Chirurgie bin ich jetzt im zweiten Tertial angekommen. Da ich neben meinen Pflichttertialen in der Chirurgie und in der Inneren Medizin ein Fach frei wählen konnte, habe ich mich für die Anästhesie entschieden. Aufgrund der drohenden Engpässe in der ländlichen medizinischen Versorgung hat sich meine Fakultät sogar inzwischen darum bemüht, in zwei Allgemeinarztpraxen PJ-Plätze bereitzustellen.

Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, für mehr als drei Monate einem Arzt beziehungsweise einer Ärztin in seiner kleinen Praxis auf Schritt und Tritt zu folgen, aber ich finde es gut, dass man eine breite Palette zur Auswahl hat, um möglichst alle Fachbereiche einmal kennenzulernen. Und ich bin gespannt, wie es den zwei PJ-lern dort ergeht, und ob sie sich dann noch vorstellen können, als Hausarzt zu arbeiten.

Für mich kam allerdings keines der „kleinen“ Fächer infrage. Ich will nicht die Allgemeinmedizin schlecht darstellen, aber ich wollte für mich eine Art Basismedizin lernen, die ich in 90 Prozent aller Fachrichtungen brauchen kann. Solche Fächer wie HNO, Dermatologie oder Pathologie fallen da nunmal leider raus. Und da fiel mir als erstes die Anästhesie ein, die mit den Bereichen Notfallmedizin und Intensivmedizin wirklich wichtige Dinge vermitteln kann.

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Außerdem muss ich gestehen, dass ich in einer Notfallsituation nicht sicher handeln könnte. Mir ist das ein bisschen peinlich, weil jeder Mensch auf eine gewisse Art und Weise verlangt, dass ein Arzt Leben retten kann, also im klassischen Sinne bei einem Unfall auf der Straße oder im Haus, wenn es zur Herz-Lungen-Wiederbelebung kommt und schnelles Handeln gefragt ist. Dazu fehlt mir allerdings einfach die Übung und ich wüsste nicht, woher ich die hätte bekommen sollen. Die drei Übungsstunden in unserem Stundenplan sind dafür einfach nicht genug. Ich weiß nicht, wie das an anderen Universitäten ist, aber hier ist das ein großes Manko.

Der erste Tag begann wieder mit einer Einteilung, wir waren nur zwei neue Studenten und der Professor schaute deswegen auch etwas enttäuscht. Dafür hatten wir freie Wahl der Einsatzbereiche und ich wählte die HNO als erste Hälfte und die operative Intensivstation als zweite Hälfte meines Tertials.  Der Zentral-OP wäre auch eine interessante Option gewesen, aber ich wusste schon aus der Chirurgiezeit, wie lange die Operationen da dauern, und das viele Herumsitzen wollte ich mir lieber ersparen. Mein Kommilitone nahm sich zuerst die Orthopädie vor und wollte für den zweiten Teil in die HNO schauen. 

Nach der Einteilung lief ich in den HNO-OP, wo ich mich dem Team der Anästhesie vorstellte. Sowohl die Ärzte als auch die Anästhesiepfleger waren freundlich zu mir, und die Atmosphäre war ziemlich entspannt. Auch der Oberarzt, den ich erst recht streng eingeschätzt hätte, war mir nach einigen Minuten Gespräch auch sehr sympathisch. Interessant war auch hier, wie viele Menschen aus anderen Ländern in der Anästhesie arbeiten.

Neben einigen deutschen Kollegen gab es eine Ärztin aus Ungarn und eine weitere aus Italien, aber die waren im Gegensatz zu den Gastärzten in der Neurochirurgie vollbezahlte Arbeitskräfte und hatten überhaupt keine Sprachprobleme. Ich wurde auch schnell einem Arzt zugeteilt, dem ich in den Raum für die OP-Einleitungen folgte, und war damit schon mitten im Geschehen.

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Avatar #90061
marchand
am Freitag, 5. September 2014, 10:05

dann sollte man handeln...

...alles andere wäre zumindest in D unterlassene Hilfeleistung. Und die besagten Rippenbrüche bei Reanimation sind überhaupt kein Problem, als Laie kann man nämlich nur in seltenen Fällen schadenersatzpflichtig gemacht werden und selbst bei einem professionellen Helfer gelten solche Rippenbrüche als typische und akzeptable Komplikation.
(Übrigens wären Rippenbrüche bei Reanimation sogar in den USA wenig problematisch angesichts des hohen Gutes Leben und dank des Good Samaritan Law in vielen Bundesstaaten ;))
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