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Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Gröhes Appell an die Ärzte

Montag, 15. September 2014

Nicht einmal zehn Minuten zu Fuß sind es von Hermann Gröhes Ministerium in der Friedrichstraße bis zum ältesten katholischen Krankenhaus der Hauptstadt. Einen spätsommerlichen Spaziergang gestattete sich der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter angesichts seines üblichen Termindrucks nicht.

Im St. Hedwig-Krankenhaus wurde der CDU-Politiker in der eng besetzten Cafeteria mit Beifall empfangen. Anlass des Besuchs war die neu eröffnete Palliativstation des Krankenhauses, das in Trägerschaft der Alexianer steht. Wenn Gröhe die in Palliativmedizin und Hospizen geleistete Arbeit würdigt, spürt man, dass ihm das ein wichtiges Anliegen ist.

Nach den zurückliegenden Aufbaujahren gehe es jetzt darum, in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) noch bestehende weiße Flecken zu beseitigen. Dabei dürfe die allgemeine Palliativmedizin nicht vernachlässigt werden, hob der Minister hervor. Zur Verbesserung der Palliativ- und Hospizversorgung in Altenpflege­einrichtungen plant der Minister gesetzliche Regelungen.

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Die Pflegekräfte dort seien im Blick auf die Bedürfnisse Schwerstkranker (und ihrer Angehörigen) besonders zu schulen. Heute, daran wurde Gröhe auch in der Diskussion erinnert, durchleiden Menschen in den allerletzten Tagen ihres Lebens nicht selten einen Weg durch mehrere Stationen: Heim, Klinik, Hospiz.

Die Palliativmediziner will der Minister in einer besonderen Weise in die Pflicht nehmen: Sie sollten als Multiplikatoren im ärztlichen Berufsstand dafür sorgen, dass die „Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung“ bekannter würden.

Es spricht einiges dafür: Wäre ihr Inhalt allen Ärzten und vor allem der breiten Öffent­lichkeit präsent, hätten wohl weniger Menschen Angst, von Ärzten gegen ihren Willen am Leben gehalten zu werden. Gröhe jedenfalls nutzt jede Gelegenheit, um aus den „Grundsätzen“ von 2011 zu zitieren. Etwa die Passage aus der Präambel: „Ein offensichtlicher Sterbevorgang soll nicht durch lebenserhaltende Therapien künstlich in die Länge gezogen werden. Darüber hinaus darf das Sterben durch Unterlassen, Begrenzen oder Beenden einer begonnenen medizinischen Behandlung ermöglicht werden, wenn dies dem Willen des Patienten entspricht.“

Und Gröhe unterstreicht die Aussage ebenfalls aus der Präambel, dass die Mitwirkung bei der Selbsttötung keine ärztliche Aufgabe ist. Seine persönliche Haltung zum ärztlich assistierten Suizid fasst der protestantische Christ so zusammen: „Ich möchte, dass Menschen an der Hand eines anderen Menschen sterben wollen, nicht durch die Hand.“

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