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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Warum sitzen alt macht

Mittwoch, 17. September 2014

Wer rastet, der rostet, so lautet ein altes Sprichwort. Heute würde man eher sagen, wer sich zu wenig bewegt, verkürzt seine Telomere. Die Endkappen der Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen, gelten als genetisches Korrelat für die Alterung. Vorschläge zum Anti-Aging, die diese Entwicklung stoppen können, gibt es zuhauf. Die meisten sind mit körperlichen Anstrengungen oder der Einnahme von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln mit zweifelhafter Wirkung verbunden. Das Rezept, dass sich aus einer kürzlich im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten Studie ergibt, ist viel einfacher.

Das Team um Per Sjögren von der Universität Umeå randomisierte 49 ältere Senioren (bewegungsarm und abdominal adipös) auf zwei Gruppen. Eine Gruppe sollte regelmäßig Sport treiben, die andere durfte ihren sitzenden Lebensstil beibehalten. Zu Beginn der Studie und sechs Monate später wurde in Blutzellen die Länge der Telomere bestimmt. Eigentlich hatte Sjögren vermutet, dass sich das Sportprogramm günstig auf die Alterungsvorgänge in den Zellen auswirkt.

Dies war jedoch nicht der Fall. Körperliche Anstrengung hatte keinen Einfluss auf die Telomerlänge. Auch die Bewegung allgemein, gemessen in der Zahl der Schritte auf einem Pedometer, scheint unwichtig zu sein. Der einzige Faktor, der die Länge der Telomere beeinflusste war die Zeit, die die Probanden im Stehen verbrachten.

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Daraus lässt sich schließen, dass nicht der Bewegungsmangel, sondern die im Sitzen verbrachte Zeit der eigentliche Risikofaktor für ein beschleunigtes Altern ist. Für diese These gibt es auch epidemiologische Hinweise. In mehreren prospektiven Beoachtungs­studien waren längere sitzende Tätigkeiten (oder auch Fernsehen) mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

Peter Katzmarzyk vom Biomedical Research Center in Baton Rouge/Louisiana rechnete vor zwei Jahren in BMJ Open vor, dass sitzende Tätigkeiten in den USA für 27 Prozent aller Todesfälle verantwortlich sind (und Fernsehen für 19 Prozent). Wer weniger als 3 Stunden am Tag am Schreibtisch verbringe, könne seine Lebenserwartung um 2 Jahre erhöhen, schrieb der Forscher.

Kürzlich hat Katzmarzyk seine These mit einer neuen Publikation untermauert. Er setzte die Angaben, die Kanadier 1981 in einer Umfrage „Canada Fitness Survey“ zu ihren Lebensgewohnheiten gemacht hatten, mit den Todesfällen in den folgenden 12 Jahren in Beziehung. Die Stehzeiten waren dort „dosisabhängig“ mit einer Reduktion der Sterblichkeit assoziiert. Das Fünftel der Bevölkerung mit den längsten Stehzeiten hatte eine um 33 Prozent verminderte kardiovaskuläre und eine um 35 Prozent verminderte Gesamtsterblichkeit.

Warum Stehen gesünder ist als sitzen, selbst dann wenn man sich nicht bewegt, ist unklar. Sollten die Ergebnisse sich jedoch in weiteren Studien bestätigen, könnte dies Auswirkungen auf das Arbeitsleben haben. Die meisten Menschen verbringen nicht nur ihre Freizeit im Sitzen, auch am Arbeitsplatz überwiegen heute sitzende Tätigkeiten. Bei vielen Bürotätigkeiten ist dies nicht notwendig. Viele Aufgaben könnten auch im Stehen an Pulten erledigt werden.

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