Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Neue Sicherheitsregel

Dienstag, 7. Oktober 2014

Ab November 2014 wird eine neue Richtlinie umgesetzt, die „Stop, ich habe Erklärungsbedarf”-Richtlinie. Diese Richtlinie wird in knapp 20 Krankenhäusern in und um Minnesota herum eingeführt und soll dabei jedem Angestellten aber auch Nichtangestellten, ob Arzt, Krankenpfleger, Physiotherapeut, Putzkraft, Student, ehrenamtliches Dienstpersonal oder auch Besucher ermöglichen, jegliche medizinische Intervention, die unsicher scheint, zu unterbrechen. Der Zweck dahinter ist, dass gefährlich scheinende Situationen hierdurch erkannt und behoben werden, alles unter der Maßgabe, dass bekanntlich vier Augen besser als zwei sind.

Wenn eine Person also in einer bestimmten Situation die Worte „Stop, ich habe Erklärungsbedarf” ausspricht bzw. –ruft, muss jeglicher Vorgang, der in der Nähe stattfindet bzw. auf den sich dieser Ausruf bezieht, unterbrochen werden. Dabei kann es sich hierbei um die Visite bei einem Patienten, die Essensausgabe, eine Punktion wie z.B. Pleurapunktion oder eine Operation handeln.

Es gibt ein dreiseitiges Dokument, das die genauen Details auflistet und dabei für den Patienten gefährliche Situationen anführt: Wenn z.B. ein Isolierzimmer betreten wird, ohne dass die entsprechenden Handschuhe, Masken oder Bekleidung angezogen werden, wenn unklar ist, an welchem Körperteil operiert werden soll, wenn die Hände nicht bei der Visite desinfiziert werden, wenn die Asepsis durch falsches Verhalten aufgehoben wird, wenn ein Arzt ein Medikament trotz bestehender Allergie anfordert oder geben möchte, wenn ein gehbeeinträchtigter Patient ohne Gehhilfe befördert wird und so weiter und so fort.

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Diese neue Richtlinie soll das Krankenhaus noch sicherer machen und wenn das so weitergeht darf bestimmt bald jeder jeden ankreiden. Ich enthalte mich eines Kommentares.           

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Avatar #612077
EEBO
am Freitag, 10. Oktober 2014, 22:38

Cool,

es lebe Amerika, land of the free und Therapiefreiheit, und home of the brave, die sich überhaupt noch trauen, irgendeinen Eingriff durchzuführen. Aber keine Sorge, demnächst wird ein Pilotprojekt gleicher Art, gefördert vom BMG, auch in good old Germany erfolgen. Ich muß aber zugeben, daß es für mich reizvoll wäre, einen Kollegen, der mir nicht sympathisch ist, mit häufigen Einwänden, wie: "Stop, ich habe Erklärungsbedarf; Ihr Bauchschnitt ist so unsymmetrisch und außerdem 2 cm zu kurz!!" auf die geschlossene Abteilung zu treiben... In diesem Sinne: Kreativ nutzen!
LNS
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