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Erschöpfte Ärzte verordnen mehr Antibiotika

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Wer es als Patient auf ein Antibiotikumrezept anlegt, der sollte seinen Arzt am besten in der Nachmittagssprechstunde aufsuchen, titelt das Brigham and Women's Hospital eine Pressemitteilung zu einer Studie, in der Jeffrey Linder von der Abteilung für Allgemeinmedizin der Klinik die Verordnungsdaten von 23 Allgemeinarztpraxen analysiert hat. Durch die Verfügbarkeit von elektronischen Krankenakten konnte Linder die Häufigkeit der Rezepte mit der Tageszeit ihrer Ausstellung in Beziehung setzen.

Ergebnis: Gegen Ende der Sprechstunden nehmen die Verordnungen von Antibiotika um 5 Prozent zu. Für Linder ein klares Zeichen für eine Erschöpfung des Arztes. Bei einem Patienten mit unklaren Allgemeinsymptomen ersetzt ein Antibiotikumrezept offenbar häufig weitergehende ärztliche Erwägungen. Der Autor rät den Medizinern, am Ende des Tages häufiger mal eine Pause einzulegen. Vorstellbar ist natürlich auch eine intelligente Praxissoftware, die dem Arzt manchmal einen Hinweis gibt.

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 17. Oktober 2014, 16:38

Je später der Tag, desto kränker die Patienten?

“This corresponds to about 5 percent more patients receiving antibiotics at the end of a clinic session compared to the beginning“ beschreibt Jeffrey A. Linder die Ergebnisse seiner US-Studie mit dem Titel: "Time of Day and the Decision to Prescribe Antibiotics" (J. A. Linder et al. doi:10.1001/jamainternmed.2014.5225).

Doch 5 von 100 Fällen kann keine Signifikanz belegen, eine fünfprozentige Abweichung liegt in der Regel im Messfehlerbereich. Und theoretisch könnten im längeren Verlauf eines Tages ja auch schwerer kranke Patienten den Arzt aufgesucht haben. Diese nahe liegende Hypothese haben die Autoren gar nicht erst geprüft, weil sie die behandelnden Ärzte oder Patienten nicht persönlich befragen wollten, sondern nur in den elektronischen Krankenakten 'herungeschnüffelt' haben: "The researchers merged billing and electronic health record (EHR) data for patient visits to 23 different primary care practices over the course of 17 months."

Von vorne herein stand für die Autoren fest: Haus und Primär-Ärzte verschreiben unnötig viele und nicht indizierte Antibiotika bei Atemwegsinfekten ["In primary care, doctors often prescribe unnecessary antibiotics for acute respiratory infections (ARI)."].

Dies passt zu einer anderen Studie, nach der laut BMJ 2014; 349: g5493
"Die Gesamtversagerquote bei der antibiotischen Behandlung der genannten Infektionskrankheiten bei knapp 15 Prozent lag. Von 1991 bis 2012 war sie von 13,9 auf 15,4 Prozent gestiegen." Fakt ist jedoch, dass sich E r f o l g s q u o t e n über 21 Jahre von 86,1 bis 84,6 Prozent im pharmako-therapeutischen Alltag durchaus sehen lassen können!

Dies hinderte die Autoren C. J Currie et al. vom Cochrane Institute of Primary Care and Public Health, Cardiff University, Cardiff, UK und Global Epidemiology, Pharmatelligence, Cardiff, UK jedoch nicht, auf "Overall failure rates increased by 12% over this period" hinzuweisen, Dies negiert allerdings, dass ein 12%-Anstieg innerhalb von 21 Jahren einem weniger dramatischen jährlichen Anstieg von 0,571 Prozent entspricht.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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