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Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Die Angst um den guten Ruf

Montag, 3. November 2014

Wenn in den Medien von Implantaten die Rede war, gab es in den vergangenen Jahren oft Skandalmeldungen. Auch die Schlagzeilen, dass in Deutschland viel zu oft operiert werde, waren nicht gerade dazu angetan, das Vertrauen der Patienten in die Ärzte zu stärken. Umso bemerkenswerter, was Ende Oktober beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin berichtet wurde: „Endoprothetik wird sicherer“, lautete die Botschaft von KongresspräsidentHenning Windhagen.

Zwei Jahre nach Einrichtung von zertifizierten Endoprothetikzentren in Deutschland zeige sich eine Verbesserung der Ergebnisqualität. Bei der Zertifizierung geht es unter anderem um leitliniengerechte Behandlung, regelmäßige Schulungen aller Mitarbeiter, ein Qualitätsmanagement. 450 Klinik-Einrichtungen strebten das Zertifikat unter der Bezeichnung EndoCert an, mehr als 180 hätten es bereits erhalten, hieß es in Berlin.

Auch wenn die Zehn-Jahres-Haltbarkeit bei Hüft-Endoprothesen heute 90 bis 95 Prozent und bei künstlichen Kniegelenken 85 bis 90 Prozent erreicht hat: Es gibt immer wieder Fälle, in denen vorzeitig nachoperiert und die Endoprothese ausgewechselt werden muss. Aufschluss über Qualitätslücken erhoffen sich die Orthopäden von einer für die zertifizierten Kliniken künftig verpflichtenden Befragung der Patienten über den Operationserfolg nach einem Jahr.

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Einen regelrechten „Qualitätsdruck“ auf die Hersteller der Medizinprodukte, aber auch auf die Operateure und ihre Krankenhäuser erwartet Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock, vom Endopro­thesenregister Deutschland (EPRD). „Produktmängel oder Fehler beim Einbau künstlicher Gelenke werden in Kliniken, die sich am EPRD beteiligen, künftig gezielter und frühzeitiger erkannt.“

Das freiwillige Register, eine Initiative der Fachgesellschaft, arbeitet nach zweijährigem Probebetrieb jetzt bundesweit. Basis ist eine Datenbank, in der alle Medizinprodukte, die in Deutschland als Gelenkersatz eingebaut werden, gespeichert sind. Jedes Bauteil wird beim Einbau und auch bei einem eventuellen Ausbau im Register erfasst. Die Kliniken erhalten einmal im Jahr eine Auswertung. Fälle, dass nach zehn oder 15 Jahren niemand mehr feststellen kann, welches Implantat einem Patienten eingebaut wurde, dürfte es dann nicht mehr geben.

Mittelmeier verwies auf die Länder wie Schweden, Finnland, Island und Norwegen, die schon vor Jahrzehnten solche Register aufgebaut haben. Dort sei die Wahrscheinlichkeit für Revisionen des eingebauten Gelenkersatzes um bis zu zehn Prozent gefallen, in Schweden sogar auf die Hälfte des Ausgangswerts. Schon die Offenlegung von auffälligen Medizinprodukten und Kliniken in den Berichten von Registern entfaltet eben ihre Wirkung. Die Angst, sich den guten Ruf zu ruinieren, ist eben ein wirksamer Antrieb.

Daran sollten alle denken, die in möglichst umfassenden staatlichen Kontrollen den Königsweg zu mehr Patientensicherheit sehen. Da ist schon vernünftiger und realistischer, was die Bundesregierung angekündigt hat: den Aufbau eines Implantateregisters mit verpflichtender Datenlieferung. Dass bestehende Register dabei einbezogen werden, wie die große Koalition versprochen hat, sollte sich von selbst verstehen.

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