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Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Bereitschaftsdienst und Zuschläge

Montag, 15. Dezember 2014

Dieser Text soll umrisshaft die einfachere Struktur bezüglich der Gehaltsentlohnung und -zuschläge im US-Gesundheitswesen bei angestellten Ärzten aufzeigen: Vielen ist bekannt, dass das deutsche Gesundheitswesen für angestellte Ärzte allerlei Regelungen bezüglich der zu zahlenden Zuschläge besitzt und so wird neben einem Grundgehalt und –stundenlohn z.B. der Bereitschaftsdienst, also nicht aktiv gearbeitete Zeit, zwar nur zu 90% des Arztgehaltes gezahlt, dafür werden aber Überstunden, Wochenend- und Feiertagdienste oft zu 150% oder gar 200% des regulären Gehaltes bezahlt.

Daneben gibt es dann noch genaue Regeln bezüglich Arbeitszeitengrenzen pro Tag oder Woche, Ausgleichfreizeit, Urlaubsansprüche und ähnliches, so dass nicht immer klar ist was nun genau dem Arzt zusteht und dem Arzt in einem Krankenhaus erfahrungsgemäß erst nach einiger Zeit die Entlohnungsstruktur klar wird.

In den USA wird die Vergütungsstruktur meistens sehr einfach gehalten: Es gibt entweder ein Grundgehalt, das unabhängig von gearbeiteter Zeit bezahlt wird, und somit entfallen Zuschläge. So verdient beispielsweise ein Psychiater runde 180.000 US-Dollar pro Jahr, muss hierfür die ihm zugeteilten Patienten in einer von ihm selbst eingeteilten Zeit visitieren und alle anfallende Dienste mit seinen Kollegen ohne Sonderzahlungen entrichten. Muss er an Weihnachten arbeiten, so hat er Pech gehabt und erhält keinen Zuschlag. Ggf. erhält er von Zeit zu Zeit einen Bonus für besonders hohe Patienten­kontakte, aber das ist nicht immer die Norm.

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Die andere Möglichkeit ist ein "Bezahltwerden" pro Stunde oder Tag, wobei der Bereitschaftsdienst dabei genauso wie der normale Dienst bezahlt wird, und es weder Wochenend- noch Nachtzuschläge gibt. Da ein US-Arzt oft keine klar geregelte Arbeitszeit hat, werden auch fast nie Überstundenzuschläge in solch einem Modell gezahlt.

So arbeite ich im Dezember beispielsweise in einer Woche 90 Stunden und werde entsprechend 90 Arbeitsstunden vergütet bekommen, wenngleich diese zum Teil auf ein Wochenende fallen, zum Teil als Bereitschaftsdienst außerhalb des Krankenhauses in Rufbereitschaft abgeleistet werden, zum Teil mit aktiver Visite und Interventionen. Auch sogenannte Krankenhausfeiertage werden meistens ohne Zuschläge, bzw. maximal mit 50% Zuschlag, vergütet.

Theoretisch kann man sich in den USA ein hochkomplexes Arbeitsmodell erhandeln, aber dieses wird fast nie gemacht und die ärztliche Vergütungsstrukur bleibt vor allem einfach.

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