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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Stromausfall im Krankenhaus

Mittwoch, 12. November 2014

Es ist Anfang November im Bundesstaat Minnesota, und die erste massive Kältewelle schwappt von der Arktis südwärts in den Mittleren Westen und damit nach Minnesota: Am 12.11. soll es nachts Minus 16 Grad Celsius kalt werden in der Millionenstadt Minneapolis und seit den Morgenstunden des 10. November fallen Zentimeter um Zentimeter Neuschnee; man erwartet bis zu 30 Zentimeter Neuschnee im nördlichen Teil von Minneapolis. Überall herrscht deshalb Verkehrschaos (http://www.startribune.com/local/282124111.html). Wer wie ich schon seit Jahren mit Minnesota vertraut ist, der hat die Schneeschaufel, den warmen Schlafsack und die Autoschneeketten in den Kofferraum eingepackt und stets dabei, die Skier natürlich ebenfalls aus dem Keller herausgeholt, und sich einen kleinen Bart als Wärmeschutz wachsen lassen.

Das Krankenhausleben verändert sich entsprechend auch – die ersten Erfrierungen werden diagnostiziert, die ersten eisbedingten Stürze und Knochenbrüche behandelt, und man beginnt bei nicht-spezifischen Symptomen, die eine ganze Familie betreffen,  neben Infekten auch auf Kohlenstoffmonoxidvergiftung hin zu testen.

Aber es kommt auch zu Stromausfällen, gerade bei Schneestürmen, wie wir sie gelegentlich und eben derzeit, Anfang November 2014, erleben, denn die Überlandleitungen in den USA brechen zusammen unter der Last des Windes, Eises und Schnees. Die Stromnetze sind überlastet, wenn jeder Haushalt abends die Heizung hochstellt, den Fernseher und Rechner anmacht und Strom konsumiert, als gäbe es ihn im Überfluss.

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Dann passiert, was erst vor wenigen Momenten geschah: Es flackert das Licht, dann geht es aus, geht wieder an, flackert, geht erneut aus, dieses Mal eine kurze Pause, geht wieder an, flackert nochmals, um dann endgültig zu erlöschen. Die Minnesota­kleinstadt und das Krankenhaus, in dem ich derzeit bin, werden dann leise, man hört Flüstern und irgendwo einen verhaltenen Ausruf,  bis dann aus dem Keller heraus ein Geräusch ertönt: Der Notgenerator ist angegangen und wenige Sekunden später gehen die Lichter und Elektronik wieder an, und man hört die vertrauten Geräusche der Kühlschränke, Heizungen, medizinischen Geräten etc.

So sitze ich denn wieder im Hellen, noch früh abends, und warte auf den Ansturm der Patienten, die nicht das Glück eines Notfallgenerators haben und deshalb im Dunkeln gestürzt sind, Brustschmerzen aufgrund der Angst des Dunkelseins erlitten haben oder einfach nur in die Wärme und das Licht des Krankenhauses wollen. Wenn das Licht ringsherum ausgeht, wird der Nachtdienst meistens anstrengend. Ich bin bereit.  

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