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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Hypertonie: Fruktose vielleicht schädlicher als Salz

Dienstag, 16. Dezember 2014

Dass Salz, also Natriumchlorid den Blutdruck steigert, wird von Medizinern intuitiv ver­standen. Die Natriumbelastung erhöht das Blutvolumen und damit den Druck in den Blutgefäßen. Die Pathophysiologie ist in Wirklichkeit komplizierter, doch die Botschaft lässt sich leicht vermitteln. Zumindest bei „salzsensitiven“ Menschen ist der Zusammen­hang auch durch Experimente belegt.

Zucker wird im medizinischen Bewusstsein dagegen mit der Hyperglykämie bei Diabetes und nicht mit einer Hypertonie in Verbindung gebracht. Dabei besteht der konsumierte Zucker heute zu weniger als der Hälfte aus Glukose. Die meisten Nahrungsmittel sind mit Maissirup gesüßt, das überwiegend Fruktose enthält.

Fruktose ist süßer als Glukose und wird deshalb gerne in Getränken als Süßstoff verwendet. Zu den Auswirkungen von Fruktose, die derzeit ein Schwerpunkt der Forschung sind, gehört auch ein Anstieg des Blutdrucks. Nach dem Trinken von 0,8 Liter eines Süßgetränks stieg in einer Studie der Blutdruck um 15/9 mm Hg und die Herzfrequenz um 9 Schläge/Minute.

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Der Grund könnte ein erhöhter Sympathikotonus oder auch ein Anstieg des Gefäß­widerstands sein, schreibt James DiNicolantonio vom Saint Luke's Mid America Heart Institute, Kansas City, Missouri, jetzt in einer interessanten Übersicht im Journal Open Heart. Da die Fruktose in der Leber in Triglyzeride und in Zucker umgewandelt wird, trägt der Konsum zum Anstieg der Blutfette und ihrer Speicherung im Fettgewebe bei.

Die Einführung von Maisstärke in Süßgetränken markiert vielleicht nicht zufällig den Beginn der Adipositas-Epidemie. Fruktose wird auch mit einer Insulinresistenz in Verbindung gebracht. In der Gesamtheit ergibt dies das metabolische Syndrom, das für DiNicolantonio eine Folge des hohen Konsums von Fruktose in Fertignahrungsmitteln ist.

Obst sei unbedenklich, da der Fruktosegehalt niedriger ist und viele Menschen heute ohnehin nur wenig Obst essen. Die derzeitige Betonung einer salzarmen Kost zur Vorbeugung einer Hypertonie sieht DiNicolantonio kritisch. Wenn die Menschen nicht mehr salzen dürften, könnten sie zum Zuckerstreuer greifen, meint er. Dann könnte die Salzrestriktion am Ende den Blutdruck nicht senken, sondern weiter ansteigen lassen.

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