Res medica, res publica

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Ratschläge für Chefs

Freitag, 2. Januar 2015

Der Präsident des BDI hat eine Rede gehalten. Nein, hier ist ausnahmsweise nicht der Berufsverband Deutscher Internisten gemeint, sondern der ebenfalls bedeutende Bundesverband der Deutschen Industrie. Von dessen Präsident Ulrich Grillo, dem obersten Lobbyisten der Industrieunternehmen also, wäre hier nicht die Rede, wenn sein Vortrag nicht bemerkenswert wäre. 

Grillo hat vor Wochen bei der Abschlussfeier einer privaten Managementhochschule gesprochen. Vor den angehenden Führungskräften hat der Unternehmer sich mit der Frage befasst, was es bedeutet, Menschen zu führen. „Führung funktioniert heute durch Vertrauen, durch freiwillige Gefolgschaft, durch Loyalität“, stellte Grillo heraus.

Beschäftigte ließen sich heute nicht mehr knechten. „Wenn sie ihr Glück und ihren Lebensentwurf bedroht sehen, verlassen sie das Unternehmen.“ Nicht nur diese Feststellung des Unternehmers ist eins zu eins auf das Gesundheitswesen übertragbar. Die althergebrachte Drohung der Chefs mit Einkommenseinbußen verfängt immer weniger, wenn für die einen „Downsizing“ zugunsten von Familie und Freizeit attraktiv ist und für die anderen im Nachbarkrankenhaus ein mindestens ebenso gut bezahlter Job winkt.

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Vor diesem Hintergrund hat Grillo für den Führungsnachwuchs einige Ratschläge:  „Vor allem sollte man sich in Acht nehmen: vor der Arroganz der Macht, vor Hochmut und vor dem Irrglauben, man sei nicht denselben sozialen Regeln unterworfen wie alle anderen Menschen“. Denn je mehr Entscheidungsgewalt man habe, je mehr Leute man einstelle, desto leichter könne man die Bodenhaftung verlieren.

„Es gibt dann immer weniger Menschen, die Widerspruch anmelden.“ Aber auch die beste Führungskraft macht Fehler. Für den Chef sei es dann gut, „wenn loyale Ange­stellte, die sich nicht fürchten, auch unbequeme Wahrheiten aussprechen“, sagt Grillo und rät den künftigen Chefs, konstruktive Kritiker um sich zu sammeln, „nicht die Ja-Sager und Duckmäuser.“

Es gibt Erklärungsmuster, die herhalten müssen, wenn sich beim Wechsel von einer Führungsgeneration zur nächsten weniger ändert als erhofft. Das Beispiel Krankenhaus: Hier steht die Zahl der Resolutionen, Appelle und Beschlüsse ärztlicher Verbände und Körperschaften, die seit den Siebzigerjahren gefasst wurden, um eine weniger hierarchische Führungskultur zu etablieren, in keinem Verhältnis zum erreichten Fortschritt. Neue Chefs verhalten sich eben gerne so, wie sie es bei ihren Chefs erlebt haben. Deshalb Grillos Rat: „Seien Sie selbst der Chef, für den Sie gerne arbeiten würden.“

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