Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Mut zur Freiheit (1)

Freitag, 9. Januar 2015

Nach den schockierenden Bildern aus Paris ist viel von Freiheit die Rede, die es zu verteidigen gelte. Denn ganz offensichtlich richtet sich der Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gegen die freie, offene Gesellschaft. Über die in ihr geltenden Regeln kann und darf man streiten, auch über Grenzen der Pressefreiheit, aber nicht über das Recht auf Leben. Morde an Menschen lassen sich mit keinem politischen oder religiösen Motiv rechtfertigen.

Der freie Austausch von Meinungen ist für eine demokratische Gesellschaft elementar, selbstverständlich auch für die Wissenschaft. Das Grundrecht steht allen zu, auch denen, die es auf ärgerliche, provozierende oder dumme Weise nutzen. Übrigens gehört zum freien Rechtsstaat auch das Grundrecht der freien Religionsausübung, was der ehemalige Chefredakteur des deutschen Satiremagazins Titanic, Oliver Maria Schmitt, hoffentlich noch lernen wird. Denn er verstieg sich im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu dem Satz,  Charlie Hebdo müsse so lange weitererscheinen „bis auch der letzte Koran, die letzte Bibel und die letzte Thorarolle wegen Menschenfeindlichkeit eingestampft worden sind.“

Die Kolleginnen und Kollegen von „Charlie Hebdo“ haben sich von massiven Drohungen nicht einschüchtern lassen, sie haben mutig ihr Grundrecht der freien Meinungs­äußerung wahrgenommen. Sie sind gestorben, weil der Staat sie nicht vor brutalen Mördern schützen konnte.

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 10. Januar 2015, 17:38

Ja, "JE SUIS CHARLIE HEBDO", und das ist auch gut so!

Was hat dieser dschiadistische Terroranschlag, die Mord-Exekutionen an den Mitarbeitern der 'CHARLIE HEBDO'-Redaktion mitten in Paris, antisemitisch-islamistisch-fundamentalistisch motivierte Geiselnahme, Ermordung von Geiseln und einer Polizistin mit dem Gesamtgebiet der Medizin in Klinik und Praxis, Wissenschaft und Forschung zu tun?

Mit den Terroranschlägen von Paris sind n i c h t nur weltweit geltende Ideale von Meinungs-, Gedanken-, Kunst- und Pressefreiheit angegriffen worden. Sondern die Freiheit aller Andersdenkenden ist bedroht. Jede/r, der sich ein e i g e n e s Bild machen, verkrustete Denk- und Handlungsmuster aufheben, dumpfe Religiosität und stumpfes Nachbeten vorgefasster Meinungen, Intoleranz, Fanatismus, Faschismus, Dogmatismus, Verblendung und gesellschaftspolitische Unterdrückung verhindern will.

Und da sind wir schließlich bei der Medizin angelangt: K e i n e Denk- und Handlungsverbote in Wissenschaft und Forschung, bei Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnose, Therapie und Palliation. A u f h e b u n g bzw. H i n t e r f r a g u n g dogmatisch schulmedizinischer Abgrenzungen und schematischer Leitlinien-Zwänge mit Umsetzung individualisierter Medizin. Angstfreier Umgang mit den Patientinnen und Patienten o h n e politisch-ökonomisch motivierte Handlungs-Beschränkungen und dirigistische Anweisungen Medizin-bildungsferner Schichten.

In meine Dortmunder Innenstadt-Praxis kommen Patienten/-innen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten dieser Welt: Toleranz, Respekt, Empathie und Professionalität werden von mir erwartet und in Teamarbeit eingelöst. Für Menschen aller Rassen und Klassen, unabhängig von Glauben, religiöser Überzeugung, Herkunft, Geschlecht, Wohlstand oder Armut gilt als ein Grundrecht der freie Zugang zu Gesundheits- und Krankheitsversorgung bzw. Existenzsicherung. Diesen Anspruch löst unsere Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ein. Wir Vertragsärzte in der Bundesrepublik Deutschland behandeln a l l e Männer, Frauen und Kindern in Deutschland, u n a b h ä n g i g von ihrer politisch-religiös-weltanschaulichen Grundeinstellung in Abhängigkeit von Schwere, Dringlichkeit und Bedrohlichkeit ihrer Krankheitserscheinungen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, Asylbewerber, politisch Rechts, Mitte oder Links, homo-, bi- oder heterosexuell.

Davon wird mich bis ans Ende meiner Tage kein durchgeknallter Dschihadist abbringen können. Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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