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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Illegale Latinos – die neuen Leibeigenen?

Freitag, 16. Januar 2015

Es gibt Millionen über Millionen an illegalen Einwanderer aus Süd-, vor allem jedoch Zentral- und Nordamerika denn es kommen sehr viele Menschen aus Mexiko, aber auch Guatemala, Honduras und Ekuador in die USA und versuchen hier ihre Zukunft und ihr Zuhause aufzubauen. Meistens sind sie illegal über die Landgrenze zwischen Mexiko und den USA gekommen und leben so unauffällig sie können in den kleinen aber auch größeren Städten der Vereinigten Staaten.

Wer genau aufpasst, der sieht sie morgens zur Arbeit gehen und als Koch in den Restaurants, als Putzkraft in den Geschäften, als Handlanger und Handwerker auf den Baustellen oder als Landarbeiter auf den Bauernhöfen ihre Arbeit leise und unauffällig verrichten. Abends kehren sie müde in ihre kleinen und oftmals überbelegten Häuser zurück und nur an den Sonntagen scheinen sie sich eine Pause bei ihren Gängen zur Kirche oder ihren kleinen Feiern im Freien zu gönnen. Sie scheinen manchmal das eigentliche und arbeitende Rückgrat Amerikas zu sein.

Nun wird natürlich jeder einmal krank und so behandele ich fast täglich diese spanischsprechenden, hart Arbeitenden. Genauso unauffällig wie sie ihre Arbeit verrichten, ertragen sie oftmals ihr Leid und wollen dabei so schnell wie möglich wieder entlassen werden, um wieder zu ihrer Arbeit zurückzukehren. Besonders eindrucksvoll erinnere ich mich dabei an einen 28-jährigen mit Schlaganfall, der innerhalb weniger Stunden bei eintretender Besserung um Entlassung bat und wieder zu seinem Fließband in einer Fleischfabrik zurückkehrte.

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Oder an einen 41-jährigen Alkoholkranken, der nach erfolgtem Alkoholentzug und nur kurzem Aufenthalt wieder auf seine Arbeitsstelle auf einem großen Bauernhof als Arbeitskraft zurückkehrte und während seines stationären Aufenthaltes weniger Angst vor dem Tod als den Verlust seiner Stelle hatte.

Ich habe viel Hochachtung vor diesen hart arbeitenden und zähen Latinos. Ohne sie würde vieles nicht so billig und verlässlich funktionieren, doch um welchen Preis? Manchmal komme ich nicht umhin in ihnen eine neue Form der Leibeigenschaft zu sehen.

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Avatar #625311
L.A.
am Montag, 19. Januar 2015, 15:22

Geburtenmangel hier - Geburtenüberschuss dort

Wie in den USA so in Europa. Und es kommen die dynamischen jungen Männer (nicht die Allerärmsten...). So entziehen wir den "Entwicklungsländern" die Potentiale, die diese selber dringend brauchen. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
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