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Praxistest

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In seinem Studium wünscht sich so ziemlich jeder Student mehr Praxiserfahrung. Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland erst im praktischen Jahr und darauf muss man immerhin fünf Jahre warten. PJ hat diese Zeit hinter sich und schreibt von seinen täglichen Erfahrungen im Krankenhaus, die seine Fähigkeiten zwar immer wieder aufs Neue fordern, aber sonst auch kaum erzählenswert wären.

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Unbekannter Besuch

Montag, 26. Januar 2015

Nach erholungsreichen zwei Wochen ohne PJ und ohne das tägliche Klingeln des Weckers fühle ich mich wieder viel motivierter, morgens aufzustehen.

Kürzlich las ich, dass unter den Europäern die Deutschen sehr früh aufstehen, um zu arbeiten. Da frage ich mich, wie der Alltag in anderen Krankenhäusern im Ausland ist, ob die Ärzte dort auch um acht Uhr anfangen zu operieren oder tendenziell eher später. Auf jeden Fall kann ich es in ein paar Monaten in meinem letzten Tertial in Spanien herausfinden.

Heute war ein anderer Student bei uns im OP. Er stellte sich in der Einleitung still ans Fenster und sah einfach zu, wie der Anästhesist noch einige Fragen an den Patienten hatte und der Anästhesiepfleger den venösen Zugang legte. Er wirkte ein bisschen schüchtern und ich fand es merkwürdig, dass er sich nicht vorstellte oder sonst etwas sagte.

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Erst dachte ich, es könnte ein weiterer PJler sein, aber sein Gesicht war mir völlig unbekannt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er im Rahmen des HNO-Praktikums im OP war und aus Neugier bei der Einleitung der Anästhesie zusah, bevor die Operation losging.

Dennoch hätte ich mir schon gewünscht, dass er wenigstens einmal seinen Namen gesagt hätte. Andererseits frage ich mich, ob ich vor einigen Jahren auch so war, und die anderen den gleichen Eindruck von mir hatten wie jener Student heute. Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich lieber zurückhält, wenn man alles zum ersten Mal sieht und noch gar keine Ahnung hat, wie man sich im OP verhält.

Als ich vor einigen Semestern mein HNO-Praktikum hatte, war es so, dass man selbst­ständig in den OP-Trakt ging und sich zu einer Operation dazugesellen sollte. Das alteingesessene OP-Personal fragte sich sicher auch jedes Mal, wenn ein unbekanntes Gesicht hereinkommt, was der Betreffende wolle. Das allseitsbekannte Territorial­verhalten eben. Und dieses Wechselspiel führt wahrscheinlich zu genau der Schüchtern­heit, die ein Student in einer solchen Situation besonders schlecht verbergen kann.

Eigentlich muss man sich aber im Klaren sein, dass eine Uniklinik dieses Problem immer haben wird und Studenten eben immer vieles zum ersten Mal machen müssen. Da wünscht man sich schon etwas Entgegenkommen von der anderen Seite. Andererseits habe ich mich ja heute auch selbst dabei ertappt, erst einmal nicht mit dem Studenten im HNO-Praktikum zu reden, weil er kein Wort von sich gab. Das sollte mir zu denken geben, hoffentlich werde ich da auch noch ein bisschen aufgeschlossener.

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