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Bei Parkinson wirken teure Placebos besser als billige

Sonntag, 15. März 2015

Placebos haben bekanntlich von allen Medikamenten das breiteste Wirkungsspektrum, und sie wirken keineswegs nur bei banalen Erkrankungen. Als besonders anfällig für die Zauberkraft der eigenen Imagination gelten Patienten mit Morbus Parkinson. Dies ist vielleicht kein Zufall, denn das Substrat der Placebowirkung im Gehirn ist der Neuro­transmitter Dopamin.

Die Forschung geht davon aus, dass Placebos die Freisetzung von Dopamin verstärken. Dies geschieht möglicherweise nicht nur im Belohnungssystem, das die Patienten von der Wirkung des Placebos überzeugt, sondern vielleicht auch an anderen Orten des Gehirns, wo bei Menschen mit Morbus Parkinson ein Dopaminmangel besteht. Sollte dies der Fall sein, dann könnte der Morbus Parkinson die einzige Erkrankung sein, bei denen Placebos eine echte Wirkung erzielen.

Vielen Ärzten ist aufgefallen, dass teure Medikamente in der Regel besser wirken als billige. Alberto Espay von der Universität von Cincinnati hat hierzu 12 Parkinson-Patienten auf die Probe gestellt. Diese litten seit elf Jahren unter der Erkrankung und sie hatten bereits motorische Fluktuationen entwickelt. Die Ärzte boten ihnen zwei neue Medikamente an, die nach einer subkutanen Injektion die motorischen Symptome deutlich bessern würden, so wurde ihnen versichert. Nebenbei erfuhren sie, dass das eine Medikament 100 US-Dollar pro Injektion kosten, das andere aber 1500 US-Dollar.

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Obwohl die Ärzte den Patienten in beiden Fällen nur eine Kochsalzlösung spritzten, sprachen die meisten Patienten darauf an. Und die Wirkung fiel bei dem teuren Medikament deutlich besser aus als bei dem billigen. Das teure Placebo erreichte laut Espay fast die Wirkung von L-Dopa, dem Standardmedikament beim Morbus Parkinson.

Die Unterschiede zeigten sich auch in einer Untersuchung der Hirnaktivierung mittels funktioneller Kernspintomographie. Unter der Einwirkung des teuren Placebos meisterten die Probanden eine Lernaufgabe, ohne dass es zu einer auffälligen Aktivierung im Hirn-Scan kam. Das gleiche Ergebnis wurde nach der Gabe von L-Dopa erzielt. Unter der Einwirkung des billigen Placebos waren die Patienten dagegen stärker heraus­gefordert. Die Kernspintomographie zeigte eine vermehrte Hirnaktivität an.

Die Wirkung beruhte keinesfalls nur auf der subjektiven Bewertung der Patienten, sondern auf validierten Skalen wie der motorischen Subskale, der Unified Parkinson's Disease Rating Scale oder dem Purdue Pegboard Test, der die manuelle Geschick­lichkeit misst. Diese objektiven Verbesserungen wurden allerdings nur bei jenen Patienten erzielt, die später angaben, dass sie die Erwartung hatten, dass das teuere Mittel besser wirkt (obwohl die Ärzte ausdrücklich gesagt hatten, dass dies nicht der Fall ist).

Für Espay stellt sich nun die Frage, wie sich die medikamentöse Behandlung  mit der Hilfe von Placebos systematisch verbessern lässt. Ein unverdächtiges Preisschild auf der Medikamentenpackung könnte vielleicht ein erster Schritt sein.

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