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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Studie: Zu viel Joggen ist lebensgefährlich

Donnerstag, 5. Februar 2015

Sport in Maßen ist gesund, wer es allerdings mit der körperlichen Fitness übertreibt, lebt gefährlich. So lautet das Fazit einer Analyse der Copenhagen City Heart Study. Peter Schnohr vom Frederiksberg Hospital begleitet seit 1976 eine Stichprobe von Einwohnern der dänischen Hauptstadt. Im Jahr 2001 wurden sie unter anderem gefragt, ob sie joggen und wenn ja wie lange.

Die Daten glich Schnohr mit den Todesfällen seither ab. Das Ergebnis ist eine U-förmige Kurve, nach der die Sterblichkeit am niedrigsten ist, wenn man 2 bis 3 Mal in der Woche für insgesamt 1 bis 2,4 Stunden joggt. Die optimale Geschwindigkeit ist 8 Kilometer pro Stunde. Wer länger joggt oder beim Laufen ständig an seine Grenzen geht, kann es der Studie zufolge gleich ganz bleiben lassen. Sein Sterberisiko war in der Studie genau so hoch wie bei Menschen, die niemals joggten.

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Die Studie ist eine epidemiologische Fingerübung, deren Ergebnisse sich wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien nicht unbedingt als Rezept für die Lebensführung eignen. Der wichtigste Einwand ist die reverse Kausalität. Es ist vorstellbar, das einige Menschen aufgrund von chronischen Erkrankungen das Joggen meiden. Die Erkrankung und nicht der fehlende Sportsgeist wäre dann für das erhöhte Sterberisiko verantwortlich.

Der wahre Kern der Studie könnte darin bestehen, dass zu viel Hetze beim Sport nicht unbedingt gesund ist: Aggressives Jogging kann durchaus eine Fortsetzung des Berufsstresses mit anderen Mitteln sein. Die chronische Aktivierung der Hypophysen-Nebennierenachse dürfte auf Dauer ungesund sein. Ein entspanntes Laufen an der frischen Luft kann aber nicht schaden.

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Avatar #27014
Hitman
am Dienstag, 10. Februar 2015, 20:43

Schwache Statistik + schlechte Interpretation = starke Schlagzeile

Die U förmige Kurve beruht auf genau 2 (zwei) Todesfällen in der Gruppe, die sehr intensiv läuft. Eine intensivere Analyse findet sich hier:
http://www.runnersworld.com/health/the-supposed-dangers-of-running-too-much
Avatar #106623
kraushaar
am Freitag, 6. Februar 2015, 10:45

Statistik richtig interpretieren

"Der wahre Kern..." liegt mal wieder in der Statistik: es waren gerade mal 47 Jogger in der Studie, die mehr als 4 Stunden, und nur 80, die mehr als drei mal pro Woche gerannt sind. Hätte die Studie mehr power gehabt, müsste die Begründung nicht so an den Haaren herbeigezogen werden "Aggressives Jogging = Fortsetzung des Berufsstresses".
LNS
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