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Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Nach 22 Uhr kein Bier am Büdchen

Freitag, 13. Februar 2015

Zu Beginn der närrischen Tage häufen sich die Meldungen zum Alkoholkonsum und dessen Folgen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hebt hervor, dass die Zahl der 10- bis 19-jährigen, die aufgrund eines akuten Alkoholrauschs stationär behandelt werden mussten, 2013 gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent zurückge­gangen ist. Gleichwohl bleibe die Zahl mit mehr als 23 000 Fällen besorgniserregend hoch.

Mit dem Thema Komasaufen befasst sich auch eine Studie von zwei Forschern, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und dem Hamburg Center for Health Economics kommen. Ein auch außerhalb der närrischen Tage wichtiges, ja ernstes Thema. Ob deshalb die Illustration der DIW-Pressemitteilung – ein Foto mit vollem Bierglas - wirklich gut gewählt war, sei mal dahingestellt. Wollte man im renommierten Forschungsinstitut an der Mohrenstraße so die weitgehende Karnevals­abstinenz der Hauptstadt kompensieren?

Jedenfalls haben die Studienautoren Thomas Siedler und Jan Marcus untersucht, wie sich ein nächtliche Verkaufsverbot für Alkohol außerhalb von Gaststätten und Restaurants auf das Komasaufen auswirkt. Dabei konnten sie sich auf empirische Daten stützen. Denn Baden-Württemberg hatte im März 2010 Tankstellen, Supermärkten und Kiosken verboten, zwischen 22 Uhr und 5 Uhr alkoholische Getränke zu verkaufen. Und dieses Verkaufsverbot wirkte, wie die Wissenschaftler nach Analyse der Krankenhaus­einlieferungen von 2007 bis 2011 festgestellt haben: Während die Zahlen der alkoholbedingten Klinikeinlieferungen in den anderen Ländern noch anstiegen, stagnierten sie in Baden-Württemberg. Von den 15- bis 19-jährigen und den 20- bis 24-jährigen kamen jeweils sieben Prozent weniger aus diesem Grund ins Krankenhaus. Bei älteren Erwachsenen gab es dagegen keine signifikante Reaktion.

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Die Ergebnisse sollten Anlass geben, über den Umgang mit dem gesellschaftlich  geduldeten Suchtmittel Alkohol nachzudenken, auch in der Politik. Wenn Jugendliche vor den Folgen exzessiven Alkoholkonsums besser geschützt werden können, sollten auch unpopuläre Maßnahmen ergriffen werden. Dass dem Verkaufsverbot im Musterländle ein anderes Bundesland gefolgt wäre, ist im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium nach Auskunft eines Sprechers nicht bekannt. Bayerns Tankstellenbetreiber haben sich allerdings 2012 selbst verpflichtet, nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr zu verkaufen. Nicht alles Sinnvolle muss schließlich über Verbote erreicht werden. Zugegeben, Straßenkarneval ohne „Bierleichen“ – das klingt nicht gerade realistisch. Aber rauchfreie Kneipen waren es vor wenigen Jahren auch nicht.

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